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22.06.2026
Elektrifizierung? Klingt nach Stromnetzen, Ladeparks oder E-Autos – doch dahinter steckt mehr. Wir werfen einen Blick auf den größten Umbau unseres Energiesystems seit Generationen und zeigen, warum das Thema fürs ETF-Depot interessant sein könnte.
1966, war im chinesischen Horoskop das Jahr des Feuerpferdes: Öl kostete weniger als drei US-Dollar[1] pro Barrel, der Verbrennungsmotor war König und Leistung hatte eine klare Einheit – PS. Die Pferdestärke, einst geprägt von James Watt, wurde ein über zwei Jahrhunderte prägender Maßstab. Dass 2026 im chinesischen Kalender wieder ein Jahr des Feuerpferdes ist, passt erstaunlich gut: Es steht sinnbildlich für Dynamik, Aufbruch und beschleunigten Wandel.
Sinnbildlich gesprochen, weicht die PS-Welt zunehmend einer Kilowatt-Welt. Und geht weit über das E-Auto hinaus. Wärmepumpen statt Gasheizung, Elektroöfen in der Industrie, Rechenzentren mit dem Stromhunger kleiner Städte – sie alle stellen neue Anforderungen an das Netz, das alles zusammenhalten muss. All das ist Elektrifizierung.
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Wer sich überlegt, in das Thema Elektrifizierung zu investieren, ist vielleicht schon mal über eine der folgenden Mythen gestolpert:
Das stimmt so nicht. Strom setzt sich überall dort durch, wo er schlicht die effizientere und praktischere Energieform ist. Das passiert unabhängig davon, wie schnell sich die Energieversorgung transformiert, weil Versorgungssicherheit, Stabilität und Kosten in der Praxis Priorität haben. Interessanterweise macht eine variable Einspeisung die Netze sogar wichtiger, nicht überflüssig: Wind- und Solaranlagen brauchen beispielsweise für dieselbe Leistung oft zwei- bis dreimal so viel Netzinfrastruktur wie ein klassisches Kraftwerk.
Dieses „nur” führt in die Irre. Auf Elektroautos entfielen 2024 weltweit rund 0,7 Prozent des Stromverbrauchs – ihre 180 Terawattstunden übertreffen zwar den Jahresbedarf ganz Argentiniens, bleiben global aber eine Randgröße.[2] Rechenzentren beispielsweise wiegen deutlich schwerer und bauen ihren Anteil rasch aus: In den USA stehen sie bereits für vier bis fünf Prozent der Stromerzeugung und Experten halten einen Anstieg auf über elf Prozent bis 2030 für notwendig.[3]
China hat gezeigt, dass sich ein Stromsystem im großen Stil umbauen lässt – das Land erreichte sein Wind- und Solarziel für 2030 sechs Jahre früher als geplant.[4] Und auch im Westen wird Regulierung zunehmend zum Beschleuniger statt zur Bremse: In Deutschland treibt ein eigenes Gesetz zur Beschleunigung des Netzausbaus große Stromtrassen wie SuedLink mit Vorrang voran.[5] So behandeln Regierungen Netze als strategische Infrastruktur und können dem Sektor Planbarkeit über Jahrzehnte geben.
Wenn das Feuerpferd früher für PS und Verbrennungskraft stand, verweist es heute eher auf den Umbruch selbst: zunehmend weg von direkter Verbrennung, hin zu Strom, Netzen und elektrischer Infrastruktur. Elektrifizierung umfasst die gesamte Kette – von den Geräten, die auf Strom umsteigen, bis zu den Netzen, die ihn transportieren. Je mehr über Strom läuft, desto mehr wird das Netz zum Rückgrat des gesamten Systems. Wie weitreichend dieses System ist, zeigt dir die folgende Grafik.

Quelle: DWS International GmbH, Stand: März 2026.
Das Feuerpferd bleibt also nicht bloß ein schönes Bild für den Wandel – es verweist auf die Wucht, mit der sich dieser Umbau inzwischen durch Wirtschaft und Alltag zieht. Doch wie stark ist die Sogkraft der Elektrifizierung tatsächlich?
Dazu einige Beispiele: Die weltweite Stromerzeugung könnte sich laut der Internationalen Energieagentur bis 2050 von rund 27.000 auf gut 71.000 Terawattstunden erhöhen – das entspricht mehr als dem Zweieinhalbfachen.[6] Zudem dürfte sich der weltweite Strombedarf von Rechenzentren bis 2030[7] verdoppeln, der globale Ladestrom für Elektrofahrzeuge könnte sich sogar mehr als verdreifachen[8]. Damit grenzt sich das Thema klar von einem kurzlebigen Hype ab. Das Wachstum in diesem Segment dürfte stattdessen struktureller Natur sein. Künstliche Intelligenz, Industrie und Mobilität treiben die Nachfrage zugleich.
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Quelle: 1) IEA, 2025, Energy and AI (World Energy Outlook Special Report), 2) IEA, Global EV Outlook 2025. Prognosen basieren auf Annahmen, Schätzungen, Einschätzungen und hypothetischen Modellen oder Analysen, die sich als unzutreffend oder falsch erweisen können.
Die produzierte Energie benötigt einen leistungsstarken Weg vom Erzeuger zum Verbraucher – das Stromnetz. Und das ist vielerorts überaltert: In den USA sind über 70 Prozent der Übertragungsleitungen älter als 25 Jahre, in Europa rund die Hälfte der Netze sogar älter als 40. Ein Großteil davon muss ohnehin erneuert werden, ganz unabhängig vom KI-Boom. Woran es sonst hakt, führen großflächige Stromausfälle in Spanien und Portugal vor Augen.[9]
Beides zusammen – die wachsende Nachfrage und die alternden Netze – macht den Um- und Ausbau der Infrastruktur zu einem Investitionsthema, das über Jahre Bestand haben dürfte.

Quelle: DWS Investment GmbH, IEA, World Energy Outlook 2021, Netto-Null-Szenario (NZE). Gesamterzeugung 2020: 26.762 TWh; 2050: 71.164 TWh (Anstieg laut IEA „mehr als das 2,5-Fache"). Prognosen basieren auf Annahmen, Schätzungen, Ansichten und hypothetischen Modellen oder Analysen, die sich als unzutreffend oder falsch erweisen können.
Dabei einzelne Gewinner herauszupicken ist schwer – niemand weiß, welcher Netzausrüster am Ende vorn liegt. Welchen Megatrend möchtest du abbilden? KI, Elektromobilität oder der Umbau der Industrie?
Vielleicht musst du dich gar nicht entscheiden – denn all diese Trends hängen an derselben Voraussetzung: am Strom und an den Netzen, die ihn verteilen. Elektrifizierung bildet die gemeinsame Basis und ein Elektrifizierungs-ETF bündelt die damit verbundenen Unternehmen.
ETFs, etwa auf den Nasdaq Global Electrification Technologies and Smart Grid[10] zielen nicht nur auf Versorger ab, sondern auf die gesamte Wertschöpfungskette dahinter – Netze, Komponenten, Halbleiter, digitale Steuerungssysteme. Der Index umfasst Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Technologie und Energie aus entwickelten und aufstrebenden Märkten. Wer in dieses Thema investieren möchte, sollte wissen, dass Themen-ETFs durch ihre kleinere Streuung stärker schwanken können als ein ETF auf einen breit aufgestellter Weltindex Hierdurch besteht das Risiko, phasenweise hinter dem breiten Markt zurückzubleiben. Ein Elektrifizierungs-ETF wird daher eher als Beimischung verstanden.
Wie schnell der Umbau Fahrt aufnimmt, lässt sich nicht terminieren – die Richtung aber scheint offenkundig. 1966, im letzten Feuerpferd-Jahr, war der Verbrennungsmotor König und Leistung eine Frage der PS. 2026 beginnt dieser Maßstab zu verblassen. Wenn in 60 Jahren das nächste Feuerpferd galoppiert, dürfte die Kilowatt-Welt selbstverständlich sein – mit einem modernen Stromnetz als Rückgrat.