Grenzmärkte

Die dritte Reihe


  • Die unter Selected Frontiers zusammengefassten Länder weißen Voraussetzungen auf, die auf eine ähnliche Entwicklung zu den Emerging Markets schließen lassen.
  • Eine wichtige Rolle spielen dabei die enormen Rohstoffreserven dieser Länder. So verfügen zum Beispiel die Golfstaaten und Nigeria über große Bestände an Öl. Argentinien hingegen hat eine Vielzahl an Agrarrohstoffen zu bieten.
  • Die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern der Selected Frontiers helfen bei der Zusammenfassung in einem Index dabei das Einzelmarktrisiko zu reduzieren. Dies ist ein wichtiger Aspekt, da alle diese Nationen noch von großer Instabilität gekennzeichnet sind.
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Während einige führende Schwellenländer in den vergangenen Jahren gegenüber den Industriestaaten wirtschaftlich aufholen konnten, befinden sich andere in ihrer Entwicklung noch ein Stück dahinter. Beschreiten sie aber denselben Weg, dann bieten sie für Anleger – bei höheren Risiken – auch entsprechende Chancen.


Seit vielen Jahren wachsen Schwellenländer wie Brasilien, China, Indien oder Indonesien mit hohem Tempo. Sie alle haben sich aufgemacht, wirtschaftlich zu den weiter fortgeschrittenen Industriestaaten aufzuschließen. Sie profitieren dabei von stabileren politischen und wirtschaftlichen Strukturen, von Reformen, von der zunehmenden Öffnung für den Welthandel und aufgrund der weltweit gestiegenen Nachfrage nach Rohstoffen von ihrem Rohstoffreichtum. Und sie verfügen über eine junge Bevölkerung, die für diese Länder nicht nur ein großes Potenzial an Arbeitskräften darstellt, sondern, bei steigendem Pro-Kopf-Einkommen, auch für zunehmenden privaten Verbrauch und damit für eine nachhaltig wachsende Binnenwirtschaft sorgen könnte.

Doch ist die Geschichte der Emerging Markets damit noch nicht vorbei. Nicht nur, dass der Transformationsprozess der weiter entwickelten Schwellenländer noch nicht abgeschlossen ist. Dort wartet zudem eine Reihe von Ländern, die sich in ihrer Entwicklung zwar noch ein Stück hinter den führenden Emerging Markets befinden, die aber ähnliche Voraussetzungen aufweisen wie diese. Die Aktienmärkte einiger dieser Länder fasst der S&P Select Frontier Index zusammen. Er enthält, kurz zusammengefasst, die größten und liquidesten Titel aus diesen nachfolgenden Volkswirtschaften (nähere Informationen unter http://eu.spindices.com/indices/equity/sp-select-frontier-index). Dort zählen Ende Januar 2013 die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) mit rund 16,5 Prozent, Kuwait mit etwa 15 Prozent sowie Katar und Argentinien mit jeweils 13 bis 14 Prozent zu den am stärksten gewichteten Ländern.


Mut zu Reformen

Dabei können sich vor allem die Voraussetzungen der drei Golfstaaten mit jenen der führenden Schwellenländer vergleichen. Die VAE zum Beispiel verfügen Ende 2011 laut dem Statistischen Jahrbuch Statistical Review of World Energy des Ölkonzerns BP vom Juli 2012 über knapp 98 Milliarden Barrel (1 Barrel = 159 Liter) an Ölreserven, das sind rund sechs Prozent der weltweiten Ölvorkommen. Zudem hat das Land in den vergangenen Jahren Zollbarrieren abgebaut, Investitionen aus dem Ausland zugelassen und die Transparenz verbessert. Nach Angaben des von der US-Bundesbehörde Central Intelligence Agency (CIA) herausgegebenen World Factbook, das Statistiken zu allen Ländern der Welt enthält, lag die Staatsverschuldung Ende 2012 bei 40,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im Vorjahr waren es noch über 45 Prozent gewesen. Die Devisenreserven betrugen zum selben Zeitpunkt fast 44 Milliarden Dollar. Und die Wirtschaft des Landes wuchs 2012 nach Angaben dem World Economic Outlook des Internationalen Währungsfonds (IWF) vom April 2013 um 3,9 Prozent. 2013 sollen es 3,1 Prozent sein.

Ähnlich aufgestellt sind Kuwait und Katar, die nach BP-Angaben rund 101,5 Milliarden Barrel, das sind 6,1 Prozent der weltweiten Ölreserven, und 24,7 Milliarden Barrel an Ölvorkommen haben. Für den Wohlstand beider Länder, Katar hat laut CIA World Factbook mit über 100.000 Dollar das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt, sind die Öl- und Gasvorkommen entscheidend. In beiden Ländern zeichnen die Ölexporte für rund die Hälfte des BIP verantwortlich. In Kuwait machen sie 95 Prozent der Exporterlöse und der Staatseinnahmen aus, in Katar sind es 85 und 70 Prozent. Die Staatsverschuldung Kuwaits lag Ende 2012 nach Angaben des CIA World Factbook bei nur 7,1 Prozent des BIP, die Devisenreserven betrugen knapp 30 Milliarden Dollar. In Katar lag die Verschuldung nach Angaben derselben Quelle bei 32,5 Prozent des BIP, die Devisenreserven beliefen sich auf etwa 26 Milliarden Dollar. Aber auch die Wachstumsraten beider Länder können sich sehen lassen. In Katar lag das Wirtschaftswachstum den IWF-Angaben zufolge 2011 bei über 13 Prozent. 2012 waren es 6,6 Prozent, und für 2013 erwarten die Experten ein Plus von 5,2 Prozent. Kuwaits Wirtschaft soll 2012 laut IWF um 5,1 Prozent gewachsen sein, 2013 soll sich das Wachstum dort allerdings auf 1,1 Prozent abschwächen. Langfristig aber spricht für Kuwait zudem seine junge Bevölkerungsstruktur. Nach Angaben des Datenreports 2012 der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) sind dort weniger als drei Prozent der Bevölkerung über 64 Jahre, jedoch 27 Prozent jünger als 15 Jahre. Damit verfügt Kuwait künftig über ein großes Potenzial an Arbeitskräften, die zudem sehr gut ausgebildet sind.

Argentinien, als drittgrößtes Land im S&P Select Frontier Index, hat eine ganz erstaunliche Entwicklung hinter sich. Stand das Land vor rund zehn Jahren noch am Rande des Ruins, so ist dessen Situation inzwischen vergleichsweise stabil. Die Devisenreserven liegen laut DB Research, Stand: März 2013, Ende 2012 bei 36,8 Milliarden Dollar, die Verschuldung der öffentlichen Hand gegenüber dem Ausland liegt bei nur 12,3 Prozent des BIP. Insgesamt hatte der Staat Ende 2012 nur noch Schulden in Höhe von rund 19 Prozent des BIP.

Auch die Wirtschafts- und Finanzkrise überstand das Land gut. 2009 wuchs die argentinische Wirtschaft nach IWF-Angaben um 0,9 Prozent, 2010 beschleunigte sich die konjunkturelle Dynamik auf 9,2 Prozent. 2012 allerdings gingen laut Germany Trade & Invest (GTAI), der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing, die Investitionen deutlich zurück. Zusammen mit der schwierigen weltwirtschaftlichen Lage in dem Jahr schwächte sich das Wirtschaftswachstum laut DB Research deshalb bis auf zwei Prozent ab. Zudem ist die hohe Inflationsrate, die 2012 bei fast 24 Prozent lag, ein Problem für das Land. Dennoch könnte sich die Wirtschaftsdynamik 2013 wieder auf 2,8 Prozent beschleunigen. Zum einen ist dafür laut GTAI-Einschätzung der einsetzende Aufschwung in Brasilien, dem wichtigsten Handelspartner des Landes, verantwortlich. Zum anderen aber auch eine bessere Ernte, die für das an Agrarrohstoffen reiche Land von enormer Bedeutung ist. Daneben sind in dem Index Panama, Pakistan, Kasachstan und Nigeria mit wesentlichen Anteilen enthalten. Nigeria und Kasachstan profitieren dabei ebenfalls von ihren Ölreserven. So gilt Nigeria als ölreichstes Land Afrikas. Zudem liegt die Zukunftsperspektive des afrikanischen Staates in seiner Bevölkerungsstruktur. Nigeria ist laut dem DSW-Datenreport 2012 mit 170 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Und die Bevölkerung soll bis 2050 auf über 400 Millionen Menschen um fast das Zweieinhalbfache anwachsen.


Reduziertes Einzelmarktrisiko

Doch gerade das Beispiel Nigeria zeigt, dass die Länder aus dem S&P Select Frontier Index, verglichen mit den führenden Emerging Markets, noch einen weiten Weg vor sich haben. So lag das Pro-Kopf-Einkommen laut CIA World Factbook dort 2012 bei nur 2.700 Dollar, weit weniger als zum Beispiel in den asiatischen Emerging Markets. Zudem schneidet das Land laut dem Transformationsindex der Bertelsmann Stiftung in Sachen Korruption schlecht ab. Für Anleger bedeutet dies enorme Risiken, da die politische, wirtschaftliche und rechtliche Lage in einigen dieser Staaten instabil ist und es deshalb immer wieder erhebliche Rückschläge geben kann. Die Zusammenfassung dieser sehr unterschiedlichen Staaten im S&P Select Frontier Index bietet deshalb einerseits die Chance, an deren Aufholprozess teilzuhaben, trägt aber andererseits zu einer Reduzierung der Einzelmarktrisiken bei.

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