Singapur

Attraktiver Stadtstaat


  • Die zentrale Lage im Herzen Südostasiens und die hohe Wettbewerbsfähigkeit machen Singapur zu einem Handels- und Finanzzentrum der Region.
  • Bestens ausgebildete Arbeits- und Fachkräfte, nahezu Vollbeschäftigung, wachsende Reallöhne sowie eine sehr geringe Verschuldung der privaten Haushalte machen den Stadtstaat zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort.
  • Die starken Bestrebungen der Regierung, das Land zu einem führenden Standort für Hochtechnologie und Finanzen auszubauen bringen u.a. Großinvestitionen in Infrastruktur mit sich.
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Singapur gilt laut CIA World Factbook bereits als sehr weit entwickelte Volkswirtschaft. Sie zeichnet sich durch ihre Offenheit, ein gutes Klima für Unternehmen und eine starke Exportwirtschaft aus. Und die Regierung arbeitet daran, den Stadtstaat zu einem Finanzzentrum für Südostasien zu machen.


Für Unternehmer gibt es fast keinen besseren Ort auf der Welt, um Geschäfte zu machen, als Singapur. Das ist das Ergebnis des Doing Business 2013 der Weltbank. Eine Feststellung, die allerdings keine Momentaufnahme ist. Vielmehr hat der südostasiatische Stadtstaat bereits das siebte Jahr in Folge diese Spitzenposition inne. Und die Wirtschaft Singapurs gilt international als höchst wettbewerbsfähig. Laut dem World Competitiveness Yearbook 2012 der Schweizer Wirtschaftshochschule IMD belegt der Stadtstaat einen starken vierten Platz, hinter Hongkong, USA und der Schweiz.

Doch was zeichnet Singapur aus? Was macht diese Stadt so besonders? Singapur gilt laut dem CIA World Factbook als hoch entwickelte und erfolgreiche offene Volkswirtschaft. Das Pro-Kopf-Einkommen lag nach Angaben von DB Research im Jahr 2012 bei rund 52.900 Dollar – das höchste in der Region Südostasiens. Die Alphabetisierungsrate liegt bei rund 92 Prozent, Armut ist in dem Land kein Thema. Die Gründe für den Erfolg sind nach Einschätzung von Germany Trade and Invest (GTAI), der Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing der Bundesrepublik Deutschland, vielschichtig. Eine wichtige Rolle spielt der sehr zentral gelegene Standort im Herzen Südostasiens, der den Stadtstaat zu einem Handelszentrum macht. Dazu kommen bestens ausgebildete Arbeits- und Fachkräfte sowie die deutliche Ablehnung von Protektionismus. Und schließlich kommen eine effiziente Verwaltung und eine sehr umsichtige und auf Wachstum ausgerichtete Wirtschaftspolitik hinzu. Der Stadtstaat gilt ferner laut einer Untersuchung der nichtstaatlichen Organisation Transparency International als eine der am wenigsten korrupten Plätze der Welt.

Dazu kommt eine enorme Offenheit der Volkswirtschaft. So lag das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) laut den Jahresprognosen von DB Research, Stand: März 2013, im Jahr 2012 bei 277 Milliarden Dollar. Doch liegen sowohl die Importe wie auch die Exporte weit darüber. Die Einfuhren betrugen laut den Schätzungen der Analysten 2012 knapp 392 Milliarden Dollar, die Exporte gar 434 Milliarden Dollar.

Hinzu kommt: Singapurs Bevölkerung soll in den kommenden Jahren kräftig wachsen, von gegenwärtig 5,3 Millionen auf 6,9 Millionen bis 2030, so lautet die Prognose der Regierung. Nach GTAI-Angaben plant die Regierung deshalb einen rapiden Ausbau an Wohnungen. Aber auch neue Geschäfte, Büros und Industrieflächen entstehen auf dem Reißbrett. Das notwendige Land hierfür soll durch Landgewinnung wie die Umwandlung bestehender Flächen geschaffen werden. Verbunden wird alles durch den Ausbau des Schienen- und Busnetzes.

Auch die Lage der privaten Haushalte ist gut. Dafür sorgen laut GTAI eine Nahezu-Vollbeschäftigung, wachsende Reallöhne und gestiegene Vermögenswerte aufgrund der Immobilienpreise. Niedrige Arbeitslosigkeit drückt die Löhne weiter nach oben. Zudem will die Regierung durch die Zahlung höherer Löhne die unteren und mittleren Einkommensschichten besserstellen. Dies wiederum macht sich bei den privaten Ausgaben positiv bemerkbar. Laut DB Research soll der Konsum im Jahr 2013 um 3,7 Prozent zulegen, 2014 sollen es plus 5,2 Prozent sein. Zu mehr Kaufkraft dürften auch die geringe Verschuldung der Haushalte beitragen sowie die sich abflachende Inflationsrate. Laut der Jahresprognose von DB Research lag die Inflation 2012 noch bei 4,6 Prozent. 2013 soll die Teuerungsrate auf 3,9 Prozent zurückgehen, 2014 dann sogar auf nur noch 3,5 Prozent. Die wirtschaftliche Dynamik des Stadtstaates hat sich dagegen ein wenig abgeschwächt. Nach dem kräftigen Plus von 14,5 Prozent im Jahr 2010 schwenkte die Konjunktur nach Angaben von DB Research in den Folgejahren wieder auf einen normalen Wachstumspfad ein. Mit Zuwachsraten von 2,5 Prozent 2013 und 4,5 Prozent 2014, so die Schätzung von DB Research, ist die Dynamik aber weiterhin als recht hoch einzustufen.


Anfällig für externe Krisen

Dass Singapurs Wirtschaft 2009 einbrach – in diesem Krisenjahr schrumpfte die Wirtschaft des Landes laut DB Research um 0,8 Prozent –, lag vor allem an der Offenheit der Volkswirtschaft. Sie litt deshalb besonders stark unter dem Einbruch des Welthandels. Die anschließende Erholung, in dessen Verlauf auch der Welthandel wieder deutlich ansprang, fiel dann umso dynamischer aus. Die öffentliche Verschuldung lag zwar laut den Jahresprognosen von DB Research 2012 bei 110,8 Prozent des BIP. Doch bestehen diese Verbindlichkeiten fast ausschließlich aus Staatsanleihen, die der Staatsfonds CPF hält. Schulden gegenüber dem Ausland hat der Staat dagegen keine. Zudem erwirtschaftet dieser abgesehen vom Jahr 2009 hohe Haushaltsüberschüsse. 2012 lag das Plus laut DB Research bei 15,6 Prozent des BIP. Und das Land verfügt über Devisenreserven in Höhe von 256 Milliarden Dollar. Die makroökonomischen Rahmenbedingungen und die künftigen konjunkturellen Aussichten sind für Singapur somit bestens. Gerade diese Aussichten auf eine solide und starke Entwicklung machen das Land auch für Investoren zunehmend attraktiv. Diese Attraktivität könnte aber sogar noch zunehmen. Laut CIA World Factbook will die Regierung das Land zu einem führenden Finanzzentrum und einem wichtigen Zentrum für Hochtechnologie in der Region Südostasien ausbauen. Scheinbar mit Erfolg: Trotz der weltweiten Konjunkturschwäche hat Singapurs Elektronikbranche 2012 den Angaben des GTAI zufolge fast genauso viele Investitionen wie im Vorjahr angezogen. Der staatliche Economic Development Board sieht deshalb weiterhin eine strahlende Zukunft für den Industriezweig in dem Stadtstaat voraus.


Attraktiver Standort

Zugleich gewinnt der Standort Singapur vor allem für den pharmazeutischen und medizintechnischen Bereich laut GTAI an Attraktivität. Es erscheint so auch wenig verwunderlich, dass sich die ausländischen Direktinvestitionen nach einem krisenbedingten Rückgang 2009 um 3,1 Prozent auch rasch wieder erholt haben. Im Jahr 2012 kletterten sie nach Angaben von DB Research um 16,4 Prozent. Die wirtschaftliche Dynamik könnte sich also weiter fortsetzen und sich auch positiv in der Aktienmarktentwicklung bemerkbar machen. Den Aktienmarkt des Landes bildet zum Beispiel der MSCI Singapur IM TRN Index ab. Dieser Index besteht kurz zusammengefasst aus insgesamt 120 Werten. Größter Sektor ist laut dem Indexanbieter MSCI am 28. Februar 2013 die Finanzbranche mit 49,8 Prozent. Zweitgrößte Branche sind Industrieunternehmen mit 24,7 Prozent, dahinter folgt der Telekommunikationssektor mit fast zehn Prozent. Nähere Informationen zu dem Index gibt es im Internet unter http://www.msci.com/resources/fact_sheet/.

Trotz der sehr soliden wirtschaftlichen Entwicklung kann sich der Aktienmarkt des Stadtstaates aber nicht von allgemeinen Marktturbulenzen freimachen. Laut dem Börseninformationsdienst Onvista wies beispielsweise auch der Straits Times Index*, der die 30 größten Unternehmen an der Singapur Stock Exchange umfasst, infolge der Börsenturbulenzen, die durch die Finanzkrise und die folgende Staatsschuldenkrise in den Industrieländern ausgelöst worden waren, in den vergangenen Jahren erhebliche Kursschwankungen auf.

Trotz guter Wachstumsvoraussetzungen gilt für Investments an Singapurs Aktienmarkt deshalb, dass diese nicht risikolos sind. Eine Anlage in Vermögenswerte der Emerging Markets unterliegt in der Regel höheren rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Risiken als eine Anlage in Vermögenswerte der Märkte in Industrieländern.

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