Pakistan

Wachstum mit Hindernissen


  • Starkes Wachstumspotential durch die zahlenmäßig große und junge Bevölkerung, wobei das Problem der Armut und des Analphabetentums zu berücksichtigen ist.
  • Pakistan steht am Anfang seiner wirtschaftlichen Entwicklung und liegt bislang im Vergleich zu anderen Emerging Markets noch zurück.
  • Die hohen Wachstumsraten der Wirtschaft Pakistans unterliegen dem Risiko relativ häufiger Naturkatastrophen und leiden zudem unter geringen staatlichen Investitionen.
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Pakistan hat aufgrund seiner zahlenmäßig großen und jungen Bevölkerung enormes wirtschaftliches Potenzial. Zudem nimmt das Land eine zentrale geografische Lage in Asien ein und weist zudem stabile Wachstumsraten auf. Um aber dauerhaft zu den führenden Emerging Markets aufschließen zu können, sind strukturelle Verbesserungen notwendig.


Mit seinem wirtschaftlichen Aufholprozess ist Pakistan, verglichen mit anderen Schwellenländern, noch ein gutes Stück zurück. Das zeigt sich beispielsweise an der Entstehung des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Während in anderen Emerging Markets die Bedeutung der Landwirtschaft immer weiter abnimmt und dafür der Industrie- oder der Dienstleistungssektor wichtiger wird, hat der Sektor der Landwirtschaft dort noch immer erhebliches Gewicht. Laut dem CIA World Factbook, Stand: März 2013, trug dieser 2012 rund 20 Prozent zum BIP des Landes bei. Auch waren 45 Prozent der Erwerbstätigen im Agrarbereich tätig, und etwa 60 Prozent der urbanen Bevölkerung hängen direkt oder indirekt von der Landwirtschaft ab. Dazu kommt das Problem der Armut. Zwar war die Zahl der unter der Armutsgrenze lebenden Menschen in dem Land nach Angaben der Weltbank von 30,6 Prozent im Jahr 1999 auf 22,3 Prozent im Jahr 2006 zurückgegangen. Laut einem Bericht des pakistanischen Sustainable Development Policy Institute aus dem Jahr 2012 soll inzwischen aber wieder jeder Dritte in Pakistan unter der Armutsgrenze leben. Aber auch das Analphabetentum ist hoch. Der Anteil der Menschen in dem Land, die lesen und schreiben können, stieg laut Weltbank von 43 Prozent 1998 auf knapp 55 Prozent 2009. Zudem zählt der südasiatische Staat mit einem Pro-Kopf-Einkommen laut CIA World Factbook von 2.900 Dollar 2012 zu den Niedrigeinkommensländern.

Doch steckt in dem Land auch jede Menge Potenzial. So verfügt es über die sechstgrößte Bevölkerung in der Welt. Laut dem Datenreport 2012 der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) leben dort rund 180 Millionen Menschen. Die natürliche Wachstumsrate liegt bei 2,1 Prozent. Im Jahr 2050 sollen dort über 314 Millionen Menschen leben. 2012 sind 35 Prozent der Menschen in dem Land jünger als 15 Jahre, nur vier Prozent älter als 65. Das Durchschnittsalter liegt laut CIA World Factbook bei knapp 22 Jahren. Damit verfügt das Land über einen großen demografischen Vorteil, der langfristig zu einem dynamischeren Wirtschaftswachstum führen könnte.

Welche Wachstumsraten dort möglich sind, zeigte sich in den Jahren vor der Finanzkrise 2009. Zwischen 2004 und 2007 lagen diese laut Weltbank bei sechs bis sieben Prozent pro Jahr. 2009 ging das Wachstum jedoch, bedingt durch die weltweite Rezession, laut dem World Economic Outlook des Internationalen Währungsfonds (IWF) vom April 2013 auf nur noch 1,7 Prozent zurück. In den beiden Folgejahren nahm das Wachstum zwar wieder etwas Fahrt auf. Mit 3,1 Prozent 2010 und drei Prozent 2011 blieb es allerdings deutlich hinter der früheren Dynamik zurück. Und auch 2012 und 2013 ist das Land weit von seiner alten Stärke entfernt. Laut den Jahresprognosen von DB Research, Stand: März 2013, lag die Wachstumsrate 2012 bei 3,7 Prozent. 2013 sollen es 3,3 Prozent sein. Ein Grund dafür ist, dass die Exporte, eigentlich eine Stütze der Wirtschaft des Landes, zuletzt zurückgingen. Im Geschäftsjahr 2011/12 fielen diese laut Germany Trade & Invest (GTAI), der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing, um drei Prozent auf 25,7 Milliarden Dollar. Gleichzeitig stiegen die Importe, wodurch das Zahlungsbilanzdefizit um 48 Prozent auf 15,5 Milliarden Dollar angewachsen ist. Zumindest aber hat sich die zweite Stütze der Wirtschaft gut gehalten: der Konsum. Dieser legte den GTAI-Angaben zufolge real im Geschäftsjahr 2011/12 um 11,6 Prozent zu. Dabei spielen vor allem die Rücküberweisungen der im Ausland lebenden pakistanischen Gastarbeiter eine wichtige Rolle. Sie stiegen 2011/12 um 17,7 Prozent auf 13,2 Milliarden Dollar zum Vorjahr. Von Bedeutung ist aber auch die Entwicklung der Inflationsrate. Sie lag 2009 noch bei 20,8 Prozent. Laut DB Research betrug diese 2012 aber nur noch elf Prozent. 2013 soll sie auf 10,4 Prozent zurückgehen.


Gute Voraussetzungen

Allein der Konsum, der nach GTAI-Angaben einen Anteil von 83 Prozent am BIP hat, scheint zu wenig zu sein, um höhere Wachstumsraten zu erzielen. Dabei wären die Grundvoraussetzungen des Landes, um ein höheres Wirtschaftswachstum zu generieren, nicht schlecht. So sind die Experten des GTAI der Ansicht, dass Pakistan bei besseren Rahmenbedingungen einen ebenso erfolgreichen Kurs einschlagen könnte wie das benachbarte Indien. Denn die Bevölkerungen beider Staaten hätten die gleichen Wurzeln und ähnliche Wertesysteme. Zudem ist die handelspolitische und strategische Lage des Landes vorteilhaft. Östlich liegen die beiden wirtschaftlich aufstrebenden Länder China und Indien, mit ihren rasant wachsenden Volkswirtschaften, westlich die ölreichen Golfstaaten. Und nach Angaben von GTAI fragen diese Nachbarländer nach, was Pakistan bieten kann: Konsumgüter, Nahrungsmittel und günstige Arbeitskräfte. Doch allein in der Entsendung von Arbeitskräften nutzt das Land bislang sein Potenzial. Reformen wie die Schaffung einer effizienteren Politik und Bürokratie wären deshalb nach Ansicht der Experten der Asian Development Bank (ADB) oder des GTAI ein wichtiger Schritt. Jedoch hat die Regierung in Islamabad auch mit anderen Problemen zu kämpfen, die Ressourcen binden. Da ist zum einen der Kampf gegen die Taliban im eigenen Land. Zum anderen sind es Naturkatastrophen, die Pakistan in seiner Entwicklung immer wieder zurückwerfen.

So kam es 2010 und 2011 zu verheerenden Überschwemmungen. Dies dämpft das Wirtschaftswachstum. So waren die Experten der ADB vor der Flut 2010 davon ausgegangen, dass Pakistans Wirtschaft im Fiskaljahr 2011 um 4,5 Prozent wachsen würde. Nach der Flutkatastrophe reduzierten sie ihre Schätzung auf 2,5 Prozent. Ein niedrigeres Wachstum aber beeinträchtigt die Staatseinnahmen. Und nicht nur das. So wurden bei diesen Überflutungen nach GTAI-Angaben 4.000 Kilometer Straßen und 5.600 Kilometer Eisenbahnlinien beschädigt. Der Wiederaufbau verschlingt enorme Summen und wirft das Land in seiner infrastrukturellen Entwicklung zurück.


Rückläufige Investitionen

Zudem ließen die staatlichen Investitionen in den vergangenen Jahren nach. Laut GTAI sind die ohnehin niedrigen Bruttoanlageinvestitionen 2011/12 um zehn Prozent real gefallen. Ein Bereich, der von diesen Kürzungen betroffen ist, ist die Strom- und Gasversorgung, was nach Einschätzung der Experten der ADB die künftigen Wachstumsaussichten zusätzlich dämpfen könnte. Zugleich sind auch die ausländischen Direktinvestitionen gesunken. Sie lagen 2008 nach ADB-Angaben noch bei rund sechs Milliarden Dollar. 2011/12 fielen sie nach Angaben der pakistanischen Notenbank auf 0,8 Milliarden Dollar.

Aufgrund all dieser Probleme entwickeln sich auch die Staatsfinanzen schlecht. Laut CIA World Factbook, Stand: März 2013, sanken die Devisenreserven zwischen 2011 und 2012 von 18 auf 13,5 Milliarden Dollar. Die Staatsverschuldung betrug 2012 laut DB Research 62,4 Prozent des BIP. 2013 soll sie auf 63 Prozent ansteigen. Wäre die Regierung aber bereit, Reformen durchzuführen und für mehr Effizienz zu sorgen, dann könnten sich einige der genannten Probleme zumindest zum Teil lösen lassen. Gelingt das, dann könnte dies das Land wettbewerbsfähiger machen und Vertrauen bei ausländischen Investoren schaffen. Dann dürfte wieder mehr Kapital in das Land fließen und der pakistanische Aktienmarkt langfristig attraktiver werden.

Den Aktienmarkt des Landes bildet zum Beispiel der MSCI Pakistan ab. Kurz zusammengefasst enthält dieser Index nach Angaben des Indexproviders MSCI Ende Februar zwölf Titel, die rund 85 Prozent der Marktkapitalisierung des pakistanischen Aktienmarktes abdecken. Nähere Informationen im Internet unter http://www.msci.com/resources/fact_sheet/. Anleger sollten aber bedenken, dass trotz guter Wachstumsvoraussetzungen Investments an Pakistans Aktienmarkt nicht risikolos sind. Eine Anlage in Vermögenswerte der Emerging Markets unterliegt in der Regel höheren rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Risiken als eine Anlage in Vermögenswerte der Märkte in Industrieländern.

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