Bangladesch

Jung und dynamisch


  • Als das acht bevölkerungsreichste Land der Welt mit einer jungen Bevölkerungsstruktur hat Bangladesch ein enormes wirtschaftliches Potential.
  • Die selbst im asiatischen Raum vergleichsweise sehr niedrigen Lohnkosten begünstigen Exporte. Dies führte in den vergangenen 15 Jahren zu einem dynamischen Wirtschaftswachstum mitvon 5-6% pro Jahr.
  • Naturkatastrophen wie Überschwemmungen gefährden immer wieder die ohnehin schon veraltete Infrastruktur des Landes. Zudem setzen sich bereits angestoßene wirtschaftliche Reformen nur langsam durch.
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Bangladesch ist in seiner Entwicklung noch weit hinter den führenden Emerging Markets zurück. Damit birgt das Land einerseits hohe Risiken, zugleich aber auch ein hohes Potenzial. Denn Bangladesch ist eines der, laut CIA World Factbook, wachstumsstärksten und bevölkerungsreichsten Länder der Welt.


Spätestens seit dem Jahr 2006 dürfte der Name Muhammad Yunus vielen Menschen auch hierzulande geläufig sein. Damals bekam der gebürtige Bangladescher und Wirtschaftswissenschaftler den Friedensnobelpreis. Er gilt als Erfinder der sogenannten Mikrokredite, Kleinstkredite von bis zu 1.000 Euro, die an Gewerbetreibende vor allem in Entwicklungsländern vergeben werden. Eine Idee, mit der es ihm, so das Nobelpreiskomitee, gelungen sei, die Armut im eigenen Land erfolgreich zu bekämpfen.

Doch nicht nur die Idee der Mikrokredite beeindruckt, wenn man auf Bangladesch blickt. Sondern auch das Wirtschaftswachstum der vergangenen 15 Jahre. Laut CIA World Factbook wuchs die Wirtschaft zwischen 1996 und 2012 real um fünf bis sechs Prozent pro Jahr. Selbst die Finanzkrise konnte diese Dynamik nicht bremsen. 2009 ging das Wachstum nach Angaben des Asian Development Outlook 2011 der Asian Development Bank (ADB) zum Vorjahr zwar um 0,5 Prozentpunkte zurück. Doch auch das reichte noch für ein Plus von 5,7 Prozent. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen ist entsprechend gestiegen. Lag es laut Weltbank 1996 noch bei 339 Dollar, so waren es 2011 bereits 780 Dollar – in etwa das 2,3-Fache. Doch vor allem ist es Bangladesch in dieser Zeit gelungen, und das dürfte auch Yunus Verdienst gewesen sein, die Armut drastisch zu reduzieren. Laut dem Bangladesch Country Overview vom Herbst 2011 der Weltbank lag die Zahl der in Armut lebenden Menschen 1990 noch bei 57 Prozent. Im Jahr 2010 war dieser Anteil auf 31,5 Prozent zurückgegangen.


Verbesserte Bildung

Offenbar wurde zugleich das Bildungssystem verbessert. Nach Angaben der Weltbank konnten 1991 noch 65 Prozent der Bevölkerung nicht lesen und schreiben. 2010 waren es laut CIA World Factbook, Stand: Februar 2013, nur 43,2 Prozent. Dies liegt zwar unter dem Durchschnitt in Südasien, wo die Analphabetenrate bei 21 Prozent liegt. Zumindest aber zeigen sich in Bangladesch deutliche Fortschritte. All dies ging mit einer Veränderung der Wirtschaftsstruktur einher. 1996 trug die Landwirtschaft nach Angaben der Weltbank 26 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Im Jahr 2012 waren es nach Angaben des CIA World Factbook nur noch 17,3 Prozent. Spiegelbildlich dazu entwickelten sich die Sektoren Dienstleistung und Industrie. Vor 15 Jahren hatte die Industrie noch einen Anteil von 25 Prozent am BIP, der Servicesektor kam auf etwa 49 Prozent. 2012 lagen die BIP-Anteile dieser Sektoren bei 28,6 und 54,1 Prozent.

Doch ist diese insgesamt positive Entwicklung auch bei einem Blick auf die Rahmenbedingungen durchaus überraschend. Schließlich leidet das Land laut dem CIA World Factbook unter anderem unter politischer Instabilität, unter einer veralteten und nicht ausreichenden Infrastruktur, unter Korruption, unter ungenügender Energieversorgung und einer nur schleppenden Umsetzung wirtschaftlicher Reformen.

Dass die Wirtschaft des Landes dennoch ein so dynamisches und stabiles Wachstum an den Tag legen konnte, könne laut Experten der Weltbank auf die private Wirtschaft zurückzuführen sein. Diese könnte ein Treiber der erfolgreichen Entwicklung gewesen sein. Es waren vor allem private Unternehmen, die ihre Chance erkannten und begannen, Produkte und Waren für die Weltwirtschaft herzustellen. Größter Vorteil der dort ansässigen Unternehmen: die niedrigen Lohnkosten. Sie liegen nach Aussage der Confederation of Indian Textile Industry im Januar 2013 um 30 Prozent unter den ohnehin günstigen Löhnen in Indien.

Das Ergebnis: Die Exporterlöse kletterten nach Angaben des CIA World Factbook zwischen 2003 und 2012 um den Faktor vier auf knapp 25,8 Milliarden Dollar. Allerdings hat die Exportwirtschaft dabei eine recht einseitige Ausrichtung. So ist laut dem New Asian Frontier Markets Report von DB Research von Oktober 2012 die Textilindustrie für rund 67 Prozent der Erlöse verantwortlich. Zumindest aber spült dieser Exporterfolg die unter anderem für den Import von Nahrungsmitteln so dringend benötigten Devisen ins Land. Ebenso wie die von der Regierung geförderte Entsendung von Gastarbeitern ins Ausland, vor allem in die nahe gelegene Golfregion. Deren Rücküberweisungen beliefen sich im Haushaltsjahr 2012, das jeweils vom 1. Juli bis 30. Juni geht, laut dem Bangladesh Economic Update der Weltbank vom Oktober 2012 auf 12,8 Milliarden Dollar. Sie machen zusammen mit den Exporten rund 25 Prozent des BIP aus.


Solide Staatsfinanzen

Die Devisenreserven des Landes kletterten nach Angaben der Zentralbank von Bangladesch im Oktober 2012 auf ein neues Rekordhoch von 12,9 Milliarden Dollar. Die Staatsverschuldung lag laut dem CIA World Factbook, Stand: März 2013, bei 32 Prozent des BIP. Im Vorjahr waren es noch knapp 34 Prozent gewesen.

Dazu kommt die sich dynamisch entwickelnde Binnenwirtschaft. Seit Jahren wächst der private Verbrauch laut der Asian Development Bank mit Raten zwischen fünf und sechs Prozent und hat damit maßgeblichen Anteil an dem dynamischen Wirtschaftswachstum. Doch für die künftige Entwicklung dürfte vor allem eines entscheidend sein: die demografische Struktur. Mit 152,9 Millionen Menschen ist Bangladesch laut dem Datenreport 2012 der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung das acht bevölkerungsreichste Land der Welt. Die natürliche Wachstumsrate liegt bei 1,6 Prozent, die Bevölkerung könnte bis 2050 auf rund 226 Millionen anwachsen. Zudem sind 31 Prozent der Bevölkerung jünger als 15 Jahre. In den kommenden Jahren hat das Land damit ein wachsendes Potenzial an Arbeitskräften – und bei steigenden Einkommen auch an Konsumenten. Allerdings hat die Regierung des Landes auch mit Problemen zu kämpfen. Sorge bereitet zum Beispiel die Inflation. Sie ist zwar nach Schätzung von DB Research derzeit rückläufig. So lag sie 2012 bei 8,5 Prozent. 2013 sollen es nur noch 6,7 Prozent sein. Sie ist damit aber noch immer auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Ein künftiges Wachstumshindernis dürfte laut ADB aber vor allem die nicht ausreichende Infrastruktur darstellen. Hier seien nach deren Einschätzung in den kommenden Jahren höhere Investitionen nötig. Dazu kommt, auch wenn sich der Bildungsstandard leicht verbessert hat, die mangelnde Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften. Hoffnung auf Besserung aber mache die laut DB Research stabile politische Situation. So verfügt die voraussichtlich bis 2014 regierende Partei Awami-League über eine Dreiviertelmehrheit im Parlament. Sie steht laut GTAI unter anderem dafür, die staatliche Investitionsquote zur Verbesserung der Infrastruktur zu erhöhen.

Machtlos ist sie allerdings gegenüber den immer wieder das Land heimsuchenden Naturkatastrophen, vor allem Überflutungen. Sie kosten Menschenleben, richten immer wieder große Schäden an der Infrastruktur an und beeinträchtigen bereits begonnene Infrastrukturprojekte. Trotz dieser Hindernisse sind die Aussichten aber gut. Zum einen natürlich aufgrund des Potenzials, das die demografische Struktur bietet. Zum anderen vor allem dann, wenn die Regierung den Wandel und die Reformen vorantreibt. Für 2013 und 2014 jedenfalls sind die Experten von DB Research für das Land optimistisch. Sie erwarten, Stand: März 2013, ein Wachstum von 6,1 und 6,7 Prozent in diesen beiden Jahren.

Langfristig könnte sich dies positiv am Aktienmarkt des Landes niederschlagen. Diesen bildet zum Beispiel der MSCI Bangladesch ab. Kurz dargestellt sind in dem Index laut Indexanbieter MSCI, in dem Finanzwerte im März 2013 auf einen Anteil von knapp 59 Prozent kommen, 60 Unternehmen enthalten (nähere Informationen unter http://www.msci.com/resources/fact_sheet/). Doch trotz dieser guten Wachstumsvoraussetzungen gilt für Investments am Aktienmarkt Bangladesh, dass diese nicht risikolos sind. Eine Anlage in Vermögenswerte der Emerging Markets unterliegt in der Regel höheren rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Risiken als eine Anlage in Vermögenswerte der Märkte in Industrieländern.

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