Thailand

Neue wirtschaftliche Stabilität


  • Die politische Situation des Landes wird nach einigen Unruhen in der Vergangenheit zunehmend stabiler.
  • Durch eine junge Bevölkerungsstruktur wird die Zahl der Erwerbstätigen in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Zusammen mit einem steigenden Pro-Kopf-Einkommen stärkt dies den Binnenmarkt.
  • Auf Grund solider fundamentaler Wirtschaftsdaten hat Thailand die Krisen der vergangenen Jahre relativ gut überstanden. Jedoch ist die thailändische Wirtschaft stark vom Export abhängig und unterliegt damit großen Schwankungen.
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Thailand war der Ausgangspunkt der Asienkrise. Zahlreiche Probleme plagten die Wirtschaft des Landes damals. Rund 16 Jahre später ist die Situation eine ganz andere. Die politische Lage hat sich stabilisiert, das Land ist wirtschaftlich attraktiv, wächst rasant und verfügt über eine international konkurrenzfähige Exportwirtschaft.


Thailand, im Jahr 1997. Die Wirtschaft des Landes ist geprägt von exzessiver Kreditaufnahme, von einem hohen Handelsbilanzdefizit und schwach ausgeprägten Finanzmarktstrukturen. Es sind kaum Devisenreserven vorhanden, die Auslandsverschuldung liegt laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) bei mehr als 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), zu einem erheblichen Teil in fremden Währungen finanziert.

Der hohen Verschuldung steht vor allem der gestiegene Wert von Immobilien und Aktien gegenüber. Diese Situation ruft Spekulanten auf den Plan, die auf eine Abwertung des Thailändischen Baht, die zu diesem Zeitpunkt fest an den amerikanischen Dollar gekoppelte Währung des Landes, setzen. Aufgrund dieser Spekulationen muss Thailands Zentralbank im Juli desselben Jahres die feste Anbindung der heimischen Währung aufgeben. Sofort nach der Freigabe rauscht der Wert des Baht in die Tiefe. 20 Prozent verliert er gegenüber der US-Währung. Auch die Aktienkurse und die Preise für Immobilien geben nach und bringen die Banken des Landes in Schwierigkeiten. 56 Finanzunternehmen gehen nach IWF-Angaben im Zuge des Asienkrise bankrott. Thailand im Jahr 2013. Die Handelsbilanz des Landes weist nach Schätzung von DB Research für 2013 einen Überschuss von 9,8 Milliarden Dollar auf. Die Devisenreserven liegen bei 196 Milliarden Dollar. Und die Staatsverschuldung liegt 2012 bei moderaten 37,4 Prozent des BIP.

Es ist ein anderes Land als 1997. Wie sehr sich Thailand verändert hat, wie sehr es an Stabilität gewonnen hat, verdeutlichen auch andere Zahlen: Zwar brach das reale Wirtschaftswachstum laut DB Research 2009 infolge der Finanzkrise um 2,3 Prozent ein, doch erholte sich Thailands Wirtschaft schnell wieder. 2010 erreichte das Wirtschaftswachstum 7,8 Prozent. 2011 schrammte Thailand mit einem Wachstum von 0,1 Prozent knapp an der Rezession vorbei, was aber fast ausschließlich auf die verheerenden Überschwemmungen im Oktober 2011 zurückzuführen war. Doch die darauf folgenden Ausgaben für den Wiederaufbau haben die Konjunktur stimuliert. 2012 betrug das Wachstum den Angaben von DB Research zufolge bereits wieder sechs Prozent, 2013 sollen es fünf Prozent sein.

2012 kamen nach Angaben von Germany Trade & Invest (GTAI), der Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing der Bundesrepublik Deutschland, größere Nachfrageimpulse vor allem von den Unternehmen und privaten Haushalten, 2013 dürften die öffentlichen Großprojekte und der Export einen zusätzlichen Auftrieb garantieren. Die Rahmenbedingungen sind relativ stabil, und die hohen Auslandsinvestitionen sprechen für die wachsende Attraktivität des Standorts Thailand.

Keine Spur von Schwäche also. Dass das Land die Krisen so gut überstehen konnte, hat nach Ansicht der IWF-Experten vor allem zwei Gründe: zum einen, dass Thailand zu Beginn der Krise eine starke Position vorweisen konnte, also mit einem gesunden Unternehmenssektor, einem sehr soliden Staatshaushalt und einem starken Bankensektor.


Umfangreiches Konjunkturprogramm

Zum Zweiten haben die IWF-Experten die rasche und entschiedene Reaktion der Regierung auf die Finanzkrise mit einem der umfangreichsten Konjunkturprogramme der gesamten Region als Ursache für die Widerstandskraft der thailändischen Wirtschaft identifiziert. Nach GTAI-Angaben umfasste das Paket insgesamt 30 Milliarden Dollar und damit mehr als rund zehn Prozent der Wertschöpfung 2009. Und auch 2011 nach der Flutkatastrophe halfen milliardenschwere Konjunkturprogramme der Wirtschaft auf die Beine. Stimulierende Maßnahmen der Regierung wie die Erhöhung des Mindestlohnes, der Gehälter für Staatsangestellte sowie Preissteigerungen für Reis zur Unterstützung der Bauern gaben dem privaten Verbrauch laut GTAI zusätzliche Impulse.

Doch kommt laut dem Weltbank-Report Thailand Economic Monitor vom Juni 2010 noch ein Faktor hinzu, der diese rasche Erholung der thailändischen Wirtschaft zusätzlich unterstützte: die Exportwirtschaft. Als 2009 der Welthandel einbrach, gingen die thailändischen Ausfuhren um 12,7 Prozent zurück. Sie waren damit maßgeblich für den Rückgang des Wirtschaftswachstums im selben Jahr verantwortlich. Doch funktioniert dies auch in die andere Richtung. Mit der Erholung der globalen Konjunktur stiegen die Ausfuhren nach Schätzungen von DB Research 2010 um 28,5 Prozent an. Für 2013 ist laut derselben Quelle ein Zuwachs um sieben Prozent, 2014 sogar um elf Prozent zu erwarten.

Und auch in der Staatsschuldenkrise im Sommer 2011 zeigte sich die neue Stärke und Stabilität Thailands. Der Baht verlor bis Mitte Oktober laut dem Börseninformationsdienst Onvista gerade mal vier Prozent gegenüber dem Dollar. Offenbar sahen die internationalen Investoren auch dieses Mal aufgrund der starken thailändischen fundamentalen Wirtschaftsdaten keine Veranlassung, ihr Geld aus dem Land abzuziehen. Stabil entwickelte sich auch Thailands Aktienmarkt in den vergangenen fünf Jahren, in denen es immerhin zwei schwere Krisen gab. In den fünf Jahren zwischen Anfang 2008 und Jahresende 2012 verdoppelte sich der SET Index* laut Onvista.


Junge Bevölkerungsstruktur

Möglicherweise dürften für die positive künftige Einschätzung Thailands aber auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Zum Beispiel die junge Bevölkerungsstruktur. Zwar liegt die natürliche Wachstumsrate des Landes nach Angaben des Datenreports 2012 der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) nur bei 0,5 Prozent. Derzeit aber sind 21 Prozent der Bevölkerung jünger als 15 Jahre, nur neun Prozent älter als 64 Jahre, weshalb die Zahl der erwerbstätigen Menschen in den kommenden Jahren zunehmen wird. Zudem liegt der Anteil der thailändischen Bevölkerung, der lesen und schreiben kann, laut Weltbank bei 94 Prozent.

Eine Chance liegt für die exportstarke thailändische Wirtschaft ferner in der Mitgliedschaft in der ASEAN-Organisation, in der zehn kleinere Staaten der Region, darunter neben Thailand auch Südkorea, die Philippinen, Malaysia, Singapur und Indonesien, zusammengeschlossen sind. Diese Länder zählen zusammen mehr als eine halbe Milliarde Menschen. Zum Vergleich: Die Euro-Zone hat gerade mal rund 300 Millionen Einwohner. Wichtig sind aber auch die Handelsabkommen der ASEAN-Mitglieder. Mit China haben sie bereits 2002 ein Freihandelsabkommen abgeschlossen, 2009 folgte ein entsprechendes Abkommen mit Indien. Und schließlich beschlossen die Regierungen der ASEAN-Staaten im September 2009, einen gemeinsamen Wirtschaftsraum nach europäischem Vorbild zu gründen. Damit entstand ein riesiger Binnenmarkt, ein Markt, der mit Indien und China zusammen rund drei Milliarden Menschen umfasst und in dem rund ein Drittel des weltweiten Sozialprodukts erwirtschaftet wird.

Ein Markt, von dem auch Thailands exportstarke Unternehmen weiter profitieren dürften. Dazu kommt ein Binnenmarkt, der Dank steigender Pro-Kopf-Einkommen inzwischen immer stärker in Schwung kommt. Laut DB Research soll der private Konsum 2013 um 5,2 Prozent zulegen. Dazu scheint sich die politische Situation nach vielen Unruhen in den vergangenen Jahren zu stabilisieren.

Nach der Wahl von Yingluck Shinawatra im Juli 2011 hat sich die politische Lage, die jahrelang von Turbulenzen gekennzeichnet war, deutlich beruhigt. Gestützt durch die deutliche Mehrheit, die Shinawatras Partei Puea Thai (PTP; zu Deutsch: „Für die Thais“) im Parlament errungen hatte, bildete sie mit einem starken Mandat eine Regierungskoalition. Die positiven Aussichten für Thailands Wirtschaft haben sich am Aktienmarkt des Landes bereits positiv bemerkbar gemacht. Allerdings wies der Aktienmarkt in den vergangenen Jahren auch heftige Kursausschläge auf. Damit sollten Investoren, auch wenn sich die wirtschaftliche Stabilität inzwischen verbessert hat, weiterhin rechnen.

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