Taiwan

Profitable Annäherung


  • Taiwan profitiert von sich verbessernden Handelsbeziehungen und der Nähe zu China.
  • Das Land weißt nur sehr geringe Armut, ein hohes Bildungsniveau sowie eine hervorragende Wettbewerbsfähigkeit auf.
  • Die Wirtschaft des Landes ist jedoch sehr stark vom Export abhängig. Dies konnte vor allem an den starken negativen Auswirkungen während der Finanz- und Wirtschaftskrise sowie an der raschen anschließenden Erholung beobachtet werden.
Mehr Informationen

Laut dem World Competitiveness Yearbook der Schweizer Wirtschaftshochschule IMD vom Mai 2012 liegt Taiwan unter den wettbewerbsfähigsten Ländern der Welt auf Rang sieben. Die Basis dafür sind gut aufgestellte Firmen und gut ausgebildete Arbeitskräfte. Dies und die sich verbessernden Beziehungen zum Nachbarn China dürften weiter für ein dynamisches Wachstum des Landes sorgen.


Die Entwicklung Taiwans ist die Geschichte einer sich kontinuierlich im Wandel befindlichen Volkswirtschaft. Einst durch die Produktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen geprägt, machte sich der von den Portugiesen Formosa, zu Deutsch „schöne Insel“, genannte Staat im Verlaufe des vergangenen Jahrhunderts einen Namen als Produzent von Billigwaren. Damit war Taiwan so erfolgreich, dass es neben Hongkong, Südkorea und Singapur zu einem der vier asiatischen Tigerstaaten wurde.

Doch Taiwan erlebte im Jahresverlauf 2012 eine deutliche Konjunkturabschwächung, die sich vor allem auf eine gesunkene Exportleistung gründete. Die stark von den Ausfuhren abhängige Volkswirtschaft konnte sich nach Angaben von German Trade & Invest (GTAI), der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing, der Unsicherheit an den globalen Märkten und der schwächeren Nachfrage in den Hauptabsatzregionen nicht entziehen. Ein stagnierender inländischer Verbrauch und eine relativ schwache Investitionsneigung drosselten zusätzlich das Wachstum. Dementsprechend mussten die Voraussagen über die BIP-Entwicklung laut GTAI im Jahresverlauf 2012 mehrmals nach unten angepasst werden. Die offizielle Prognose wurde von vier Prozent Wachstum Anfang 2012 auf knapp über ein Prozent Ende des Jahres korrigiert. Mit verschiedenen Stimulierungsmaßnahmen sollen der Außenhandel, der inländische Konsum und die privaten Investitionen nun aber angekurbelt werden. Laut der Jahresprognose von DB Research für Taiwan, Stand: März 2013, dürfte das Wirtschaftswachstum des Landes 2013 deshalb wieder auf 3,6 Prozent ansteigen.


Starke Exportabhängigkeit

Allerdings ist die Wirtschaft des Landes stark vom Export abhängig. So werden nach Angaben des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland 70 Prozent des BIP durch Ausfuhren generiert. Entsprechend heftig waren die Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise auf das Land. Als die Exporte 2009 laut der Jahresprognose von DB Research, Stand: März 2013, um 20 Prozent einbrachen, ging die Wirtschaftsleistung um 1,9 Prozent zurück. Doch erholte sich Taiwans Konjunktur rasch wieder. Schon 2010 wuchsen die Ausfuhren gemäß den Jahresprognosen von DB Research um knapp 35 Prozent auf 274,4 Milliarden Dollar. Und 2012 waren es sogar 348,8 Milliarden Dollar. Die Importe, die 2009 noch um 12,8 Prozent eingebrochen waren, werden laut derselben Quelle 2013 um 4,3 Prozent und 2014 um 7,2 Prozent zulegen. Aber auch sonst sind die Vorzeichen positiv: 2011 lag die Inflationsrate bei zwei Prozent, für 2013 soll der Wert laut der Jahresprognose von DB Research für Taiwan gar auf 1,4 Prozent zurückgehen. 2012 betrugen die Devisenreserven 405 Milliarden Dollar, für 2013 erwartet DB Research einen Wert von 423 Milliarden Dollar. Auch der private Konsum entwickelte sich zuletzt erfreulich, wenn auch auf niedrigem Niveau. 2012 zog er um knapp zwei Prozent an und wird sich laut den Jahresprognosen von DB Research weiter auf diesem Niveau entwickeln. Entscheidend aber für die Erholung der taiwanesischen Wirtschaft ist, dass diese international als sehr wettbewerbsfähig gilt. Laut dem World Competitiveness Yearbook der Schweizer Wirtschaftshochschule IMD konnte das Land 2010 von Platz 23 auf Platz acht vorrücken. 2012 lag es laut der aktuellen Untersuchung von 2012 gar auf Rang sieben. Im „Doing Business Report 2013“ der Weltbank, der das Geschäftsklima in 185 Ländern erfasst und für viele internationale Unternehmen und Investoren ein wichtiger Maßstab bei ihren Investitionsentscheidungen ist, schob sich Taiwan 2013 um neun Plätze auf Rang 16 vor. Nach Aussage der Verfasser der Studie sei dies unter anderem auf die Vereinfachung von Unternehmensgründungen, die sehr schnellen Bauzulassungen und den grenzüberschreitenden Handel zurückzuführen. Doch auch die grundsätzlichen Rahmenbedingungen könnten kaum besser sein. So gibt es kaum Analphabetentum in Taiwan. Die Alphabetisierungsrate liegt nach Angaben des CIA World Factbook, Stand: März 2013, bei 96 Prozent, und dank des rasanten wirtschaftlichen Aufstiegs in den vergangenen Jahrzehnten sind Hunger und Armut in dem Land kaum ein Thema. Laut derselben Quelle lebt in dem Land nur rund ein Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Die Handelsbilanz soll laut der Jahresprognose von DB Research 2013 einen Überschuss von knapp 29 Milliarden Dollar aufweisen.


Schlüsselbranche Technologie

Dennoch ist der Exportsektor für die Entwicklung des Landes von entscheidender Bedeutung. Und hier insbesondere die Computerbranche, wo Taiwan in Teilbereichen Weltmarktführer ist. Die Regierung Taiwans sieht daneben aber auch die Biotechindustrie als Schlüsselbranche für zukünftiges Wirtschaftswachstum. Denn nach GTAI-Angaben steigt auch bei in- und ausländischen Firmen das Interesse, den Sektor zu entwickeln. Taiwans Bedarf an Pharmazeutika und Medizintechnik wächst, wie die hohen Importzahlen zeigen. Zudem liegt mit dem chinesischen Festland ein großer Absatzmarkt vor der Tür. Und auch im Chemiesektor, der als defensiv und damit relativ konjunkturresistent gilt, ist Taiwan stark.

Dass sich Taiwans Unternehmen gerade auf ausbildungsintensive Branchen konzentrieren, ist kein Zufall. Denn das Lohnniveau ist hoch. Die Kosten für Arbeit, aber auch für Grund und Boden und die Beseitigung der Umweltverschmutzung, die eine Konsequenz aus der hohen Bevölkerungsdichte ist, sind stark gestiegen. Das führt dazu, dass taiwanesische Unternehmen nach Angaben des Auswärtigen Amtes bedeutende Teile der Fertigung mehr und mehr auf das chinesische Festland sowie nach Vietnam verlagern. Schließlich sind in China die Produktionskosten noch deutlich geringer. Insofern ist die Nähe zu China zwar eine Gefahr für Taiwans Wirtschaft, sie könnte zugleich aber auch eine Chance sein. Denn in den vergangenen Jahren, vor allem aber seit dem Amtsantritt von Präsident Ma Ying-jeou im Mai 2008, nähern sich die beiden Nachbarländer zunehmend an. Entsprechend positiv wurde Anfang 2012 in Peking die Wiederwahl Ma Ying-jeou und seiner chinafreundlichen Kuomintang-Partei zur Kenntnis genommen.


Annäherung an China

Hintergrund: Nach einem Bürgerkrieg machte sich Taiwan selbstständig von China. Seit 1949 betrachtet Peking Taiwan deshalb als abtrünnige Provinz. Ab 2008 aber suchte Präsident Ma Ying-jeou die Annäherung an China. Von China wird dies begrüßt. Die Handelsbeziehungen verbesserten sich. Mitte 2009 gab es zum ersten Mal seit 60 Jahren wieder Direktflüge zwischen China und Taiwan. Zudem wurden die Kapitalmarktbeziehungen zwischen beiden Ländern liberalisiert. So dürfen Chinesen nun in Taiwan investieren. Die Kapitalzuflüsse nach Taiwan stiegen in den vergangenen Jahren nach GTAI-Angaben bereits spürbar an. Damit könnte der Inselstaat von der wirtschaftlichen Dynamik des Nachbarn profitieren. Auch aus diesem Grund ist der Ausblick für Taiwans Wirtschaft vergleichsweise gut. Die Exporte sollen DB Research zufolge 2013 um 5,9 Prozent zulegen. Dies könnte sich langfristig an Taiwans Aktienmarkt bemerkbar machen. Allerdings ist der Markt sehr schwankungsanfällig. So ging der Taiwan Weighted Index*, der kurz dargestellt sämtliche an der Börse Taiwan notierten Titel nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet enthält, nach Berechnung der Taiwan Stock Exchange vom 29. Oktober 2007 von rund 9.810 Punkten bis 20. November 2008 auf 4.089 Punkte zurück. Anfang 2011 erreichte er dann wieder 9.147 Punkte. Im März 2013 notiert er bei rund 8.000 Zählern. Doch trotz guter Wachstumsvoraussetzungen gilt für Investments am taiwanesischen Aktienmarkt, dass diese nicht risikolos sind. Eine Anlage in Vermögenswerte der Emerging Markets unterliegt in der Regel höheren rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Risiken als eine Anlage in Vermögenswerte der Märkte in Industrieländern.

Schließen