Südkorea

Schnell und wettbewerbsfähig


  • Das angespannte Verhältnis zu Nordkorea belastet die südkoreanische Wirtschaft, birgt bei einer Entspannung jedoch Potential.
  • Das Land ist die siebtgrößte Exportnation der Welt und internationaler Branchenführer in mehreren Industriezweigen.
  • Enorme Devisenreserven versetzen Südkorea in die Lage seine Wirtschaft auch während Krisen durch groß angelegte Konjunkturprogramme zu stabilisieren.
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In nur rund 50 Jahren entwickelte sich Südkorea vom Agrarstaat zu einem Land, das nach teilweise vertretener Meinung zu den Industrieländern zählt. Mit seinen international wettbewerbsfähigen Unternehmen und seinen guten Fundamentaldaten ist das Land bestens positioniert, um auch künftig dynamisch zu wachsen.


Dass Koreaner langsam wären, kann man ihnen nicht vorwerfen. Früher als alle anderen haben sie die Chancen, die China bietet, erkannt. Schon 2004 investierten die Südostasiaten 4,4 Milliarden Dollar in China – mehr als amerikanische Unternehmen. In den vergangenen Jahren ernteten sie die Früchte dieses frühen und mutigen Schrittes. Zwischen 2004 und 2008 wuchs die Wirtschaft des Landes nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) durchschnittlich mit über 4,2 Prozent pro Jahr. Zwar traf das Land die globale Finanz- und Wirtschaftskrise, weshalb das Wirtschaftswachstum 2009 nur bei 0,2 Prozent lag. Doch erholte sich Südkorea rasch. 2010 legte die Wirtschaft des Landes laut IWF bereits wieder 6,3 Prozent zu. 2012 sollen es zwei und 2013 2,8 Prozent sein.


Gesunde Basis

Doch legte das Land die Basis dafür nicht nur durch sein frühes Engagement in China, sondern auch schon in den Jahren davor. Noch in den 1960er-Jahren war die Republik eines der ärmsten Länder der Welt. Nach Angaben der Weltbank wies Südkorea damals noch ein Pro-Kopf-Einkommen von rund 1.100 Dollar auf. 2013 soll es nach Angaben von DB Research bei über 24.000 Dollar liegen. Das Land gilt heute als Wissensökonomie, eine Volkswirtschaft, bei der die Nutzung und die Erschaffung von Wissen der wesentliche Treiber wirtschaftlichen Wachstums sind. Es gehört seit 1996 der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) an.

Die Handelsbilanz weist nach Angaben von DB Research für 2013 einen Überschuss von 30,2 Milliarden Dollar auf. Zwar liegt die Staatsverschuldung bei 35,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), die Auslandsverschuldung jedoch nur bei 0,7 Prozent des BIP. Die Wirtschaftsentwicklung in Südkorea ist nach Angaben der Germany Trade & Invest, der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing, GTAI, in den vergangenen 60 Jahren eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen. Das Land stieg von einer der ärmsten zu einer der fünfzehn größten Volkswirtschaften weltweit auf. Auch in den vergangenen Jahren hat sich die koreanische Wirtschaft besser entwickelt als die vieler anderer Staaten. Das Land belegte laut Auswärtigem Amt der Bundesrepublik Deutschland 2012, mit einem Exportvolumen von 548 Milliarden Dollar, weltweit Platz sieben der Exportnationen. Mit einem Handelsvolumen von 1.068 Milliarden Dollar steht Südkorea an achter Stelle der größten Handelsnationen. Bei den Währungsreserven platzierte sich Südkorea Ende 2012 mit einer Rekordsumme von 327 Milliarden Dollar weltweit auf Rang sieben. Diese enormen Devisenreserven versetzten die Regierung auch in die Lage, die Konjunktur des Landes während der Finanzkrise zu stützen. Im Januar 2009 wurden im Rahmen eines Konjunkturpakets, des sogenannten Green New Deal, umgerechnet 30 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, um Infrastrukturprojekte zu finanzieren, Arbeitsplätze zu sichern, Flüsse im Land zu sanieren und in erneuerbare Energien und energieeffiziente Gebäude zu investieren. Zudem kurbelt die Regierung über Steuersenkungen den Konsum im Land an. Mit Erfolg. Im Jahr 2013 ist die Finanz- und Wirtschaftskrise für Südkorea längst kein Thema mehr. Der private Verbrauch wird laut DB Research um 2,3 Prozent zulegen, die Investitionen klettern um 1,8 Prozent. Korea verfügt zudem über eine ganze Reihe international wettbewerbsfähiger Konzerne. Dazu zählt zum Beispiel Posco, der viertgrößte Stahlhersteller der Welt. Und Posco ist nicht das einzige koreanische Unternehmen, das in der Weltspitze mitspielt.

Große koreanische Konzerne wie Samsung, Hyundai, LG und andere behaupten im Automobilsektor, dem Schiffsbau oder der Telekommunikations- und Informationstechnologie weltweit Spitzenpositionen. Ein weiteres wichtiges Standbein soll die Nanotechnologie werden. Sie soll eine Schlüsselfunktion in der industriellen Umstrukturierung einnehmen. Ziel ist es nach Angaben von GTAI, bis 2015 eine der drei führenden Nationen weltweit in der Nanotechnologie zu werden.

Nach GTAI-Angaben ist Südkorea bereits internationaler Marktführer im Schiffbau, bei Bildschirmen, Speicherchips und Batterien. Die Exportausrichtung der Wirtschaft lässt die Abhängigkeit von weltwirtschaftlichen Entwicklungen jedoch entsprechend steigen. Doch Südkorea ist dabei, seine weltwirtschaftliche Verflechtung über zahlreiche Freihandelsabkommen auszubauen. Nach Abkommen mit den ASEAN-Staaten, Indien, der EU und USA arbeitet der Tigerstaat derzeit an einem Handelsabkommen mit China. Die Volksrepublik ist schließlich der mit Abstand wichtigste Abnehmer koreanischer Exportgüter. Fast ein Viertel der Ausfuhren gehen laut GTAI ins Reich der Mitte.


Starke Kursschwankungen

Die guten makroökonomischen Rahmendaten und die Wettbewerbsfähigkeit Koreas spiegelten sich dann auch in der Entwicklung des südkoreanischen Aktienmarktes wider. Im Herbst 2007 erreichte der Aktienindex KOSPI*, der kurz zusammengefasst alle an der Korean Exchange gelisteten Unternehmen enthält, bei 2.085 Punkten ein Allzeithoch. Mit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise sackte der Index dann aber auf unter 1.000 Punkte ab. Zwar konnte sich das Börsenbarometer laut der Korean Exchange wieder erholen und notierte Mitte 2011 sogar auf einem neuen Höchststand. Im Zuge der EuroStaatsschuldenkrise im Sommer 2011 ging der Kurs des KOSPI dann jedoch erneut zurück. Im März 2013 steht der Index nach Angaben der Korean Stock Exchange wieder bei rund 2.000 Zählern, was die hohe Volatilität des südkoreanischen Aktienmarktes verdeutlicht.

Eine wichtige Rolle für die weitere Entwicklung der Finanzmärkte in Südkorea dürfte das Verhältnis zu Nordkorea spielen. Die Beziehungen zu Pjöngjang sind aber weiter schwierig. Sanktionen beschränkten den bilateralen Warenaustausch fast ausschließlich auf den Handel im Rahmen des gemeinsam betriebenen Industrieparks Kaesong. Zwar lief der Warenaustausch einige Zeit lang immer besser. Nach Angaben der Korea International Trade Association belief sich das Handelsvolumen im Jahr 2011 auf 1,7 Milliarden Dollar. Doch dann gab es Rückschritte. So knüpfte Südkoreas damaliger Präsident Lee Myungbak, der das Amt im Februar 2008 übernahm, den Ausbau der Wirtschaftskooperation mit Nordkorea stärker an die nukleare Abrüstung des Nachbarlandes. Im März 2010 kam es wegen eines versenkten südkoreanischen Kriegsschiffs zu weiter verschärften Spannungen. Und im August 2011 erreichte die Beziehung zwischen beiden Staaten aufgrund eines jährlich stattfindenden Militärmanövers, das Südkorea zusammen mit US-Truppen abhält, laut Medienberichten einen erneuten Tiefpunkt. Der neue nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un hat Anfang 2013 den Ton sogar noch weiter dramatisch verschärft, den Nichtangriffspakt mit Südkorea gekündigt und mehrfach mit einem Angriff, unter anderem mit Atomraketen, auf den Nachbarn sowie auf dessen Verbündeten, die USA, gedroht. Zudem hat Nordkorea dann Anfang April 2013 auch den Industriepark Kaesong geschlossen. Südkorea hat deshalb unter seiner Ende 2012 neu gewählten Präsidentin Park Geun-hye auch seine Truppen in Alarmbereitschaft versetzt. Damit bleibt Nordkorea ein enormes politisches Risiko für die gesamte Region und deren wirtschaftliche Entwicklung. Wie sich das Verhältnis beider Staaten nun weiter entwickelt, ist völlig offen. Entspannt sich die Situation jedoch wieder, dann könnte dies der Wirtschaft Südkoreas einen Schub verleihen.

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