Philippinen

Ein Land in Bewegung


  • Das entschlossene Vorgehen der Regierung gegen Korruption und Armut lockt verstärkt ausländische Direktinvestitionen in das Land.
  • Ein starker Zuwachs beim pro Kopf Einkommen sowie eine junge Bevölkerung sorgen für eine solide Binnenkonjunktur.
  • Der starke Servicesektor, welcher hohe Wachstumsraten aufweist, macht die Philippinen nach Indien zur weltweit zweitgrößten Outsourcing Destination. Zudem verfügt das Land über beachtliche Reserven an Mineralvorkommen.
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Seit Jahren weisen die Philippinen ein stabiles Wirtschaftswachstum auf. Dieser wirtschaftliche Aufholprozess, auch wenn er mit dem Risiko von Rückschlägen verbunden ist, könnte sich angesichts einer jungen Bevölkerung und einer gut laufenden Binnenkonjunktur fortsetzen.


Ein Land ist im Aufbruch: In den vergangenen Jahren sind die Philippinen auf einen stabilen Wachstumspfad mit Wachstumsraten von durchschnittlich sechs Prozent eingeschwenkt. Eine Ausnahme bildete lediglich das schwache Jahr 2011 mit nur 3,7 Prozent. Doch schon für 2012 deutete sich eine Rückkehr zu den Wachstumswerten um die sechs Prozent an. So prognostiziert die Weltbank für das Land ein BIP-Wachstum von 6,2 Prozent im Jahr 2013. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet ein Wachstum von rund sechs Prozent für 2013 und geht für 2014 von einem BIP-Plus von 5,5 Prozent aus.

Die Zahlen zeigen: Die Philippinen haben sich aufgemacht, wirtschaftlich zu den führenden Schwellenländern aufzuschließen. Deutlich wird dies auch an der Entwicklung des Pro-Kopf-Einkommens. Laut dem Quartalsbericht der Weltbank zur wirtschaftlichen Entwicklung der Philippinen ging das Pro-Kopf-Einkommen zwischen 1981 und 1990 noch um 0,5 Prozent pro Jahr im Schnitt zurück. In der folgenden Dekade wuchs es dann leicht um 0,7 Prozent pro Jahr. Richtig Fahrt nahm die Wirtschaft des Inselstaates aber zwischen 2000 und 2010 auf. Da legte das Pro-Kopf-Einkommen im Durchschnitt um 2,6 Prozent jährlich zu. In absoluten Zahlen ausgedrückt lag das Pro-Kopf-Einkommen nach Angaben der Weltbank 2004 noch bei 1.040 US-Dollar. 2013 soll es laut den Jahresprognosen von DB Research, Stand: März 2013, bei 2.910 Dollar liegen.


Starker Servicesektor

Die tragende Säule dieser Entwicklung ist laut Einschätzung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland der Dienstleistungssektor, der mehr als die Hälfte zum Bruttosozialprodukt beiträgt. Dabei steht hier vor allem die Auslagerung von Unternehmensprozessen im Mittelpunkt, zum Beispiel Serviceangebote wie der Betrieb von Callcentern. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind die Philippinen mittlerweile die weltweit zweitgrößte Outsourcing-Destination (Callcenter, Business Process Outsourcing) nach Indien. Insgesamt dürften gegenwärtig über 630.000 Menschen in diesem Bereich beschäftigt sein. In den nächsten Jahren wird weiterhin mit Wachstumsraten zwischen 15 und 20 Prozent gerechnet.

Entscheidend für diese Entwicklung sind die hervorragenden Voraussetzungen, die die Philippinen gerade für diesen Sektor bieten. Dazu zählt zum einen der Kostenvorteil. Laut einer Untersuchung der Weltbank geben US-Unternehmen, die Unternehmensprozesse dorthin auslagern, 80 Prozent weniger dafür aus als Firmen, die es selbst machen. Dazu kommt, dass Filipinos über sehr gute Englischkenntnisse verfügen und das Land eine große Zahl technikbegeisterter junger Arbeitskräfte hat, die zudem immer besser ausgebildet sind.

Ein weiteres Standbein der positiven wirtschaftlichen Entwicklung des Landes ist die Elektroindustrie. So machen die Bereiche Halbleiter und elektronische Bauteile rund zwei Drittel der Exporte aus. Insgesamt nimmt nach Angaben von Germany Trade & Invest (GTAI), der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing, der Anteil des verarbeitenden Gewerbes am BIP jedoch ab. Seit dem Höhepunkt in den 1980er-Jahren, als die Quote 43 Prozent erreichte, ging sie bis Ende des Jahres 2011 auf 31 Prozent zurück. Damit nicht noch mehr Arbeitsplätze in diesem Bereich verloren gehen, fördert die philippinische Regierung eine Reihe von Industriesektoren durch besondere Investitionsanreize. Dazu kommen die Rohstoffreserven des Landes. Die Philippinen sitzen auf großen Reserven an Mineralvorkommen. Auf der Grundlage der bekannten Reserven soll der Archipel weltweit der fünftwichtigste Fundort für Minerale sein. An nichtmetallischen Lagerstätten dominieren nach Angaben des Auswärtigen Amtes Zement, Kalk und Marmor. Als Basismetalle stehen Nickel und Kupfer im Vordergrund des Bergbaus, hinzu kommen beträchtliche Vorkommen an den Edelmetallen Gold und Silber. Nach Angaben des Mines and Geosciences Bureau, einer Agentur des philippinischen Staates, die für den nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Rohstoffreserven des Landes zuständig ist, belaufen sich die geschätzten Reserven für metallische Bodenschätze in den Philippinen auf 14,5 Milliarden Tonnen. Dabei ist vor allem die Nähe zu China ein wichtiger Faktor. Für seine immensen Infrastrukturprojekte und seinen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung braucht das Reich der Mitte Rohstoffe aller Art.


Solide Staatsfinanzen

Mit all dem gelingt es dem Land immer mehr, sich solide makroökonomische Rahmenbedingungen zu schaffen. Laut DB Research lagen die Devisenreserven 2012 bei 72 Milliarden Dollar, 2013 sollen es sogar 94,5 Milliarden Dollar sein. Die Staatsverschuldung wird 2013 mit rund 54 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zwar, verglichen mit manch anderem Schwellenland, hoch sein, doch liegt die Verschuldung gegenüber dem Ausland nur bei knapp 20 Prozent des BIP. Auch die Inflation ist vergleichsweise niedrig. Sie dürfte nach Angaben von DB Research 2013 bei nur 4,3 Prozent liegen. Besonders bemerkenswert aber war die rasante Erholung der philippinischen Wirtschaft nach der Finanzkrise. Ein wesentlicher Grund dafür ist die Binnenkonjunktur. Zum einen blieben die Banken des Landes von den Auswirkungen der Finanzkrise größtenteils verschont, womit die Versorgung der inländischen Wirtschaft mit Krediten weitgehend gegeben war. Zum anderen war es der private Verbrauch, der die Konjunktur antrieb. So stiegen die privaten Konsumausgaben 2010 laut DB Research um 5,3 Prozent. Für 2013 prognostizieren die Experten ein Plus von 6,1 Prozent. Wobei allerdings die Rücküberweisungen der im Ausland lebenden Filipinos eine wichtige Rolle spielten.


Junge Bevölkerung

Doch ist es vor allem die demografische Struktur, die den wirtschaftlichen Aufholprozess in den kommenden Jahren und Jahrzehnten unterstützen dürfte. Derzeit leben auf den Philippinen nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung 96,2 Millionen Menschen. Die natürliche Wachstumsrate beträgt 1,9 Prozent. Die Bevölkerung soll deshalb bis 2050 auf rund 154 Millionen anwachsen. Auch sind 35 Prozent der Bevölkerung jünger als 15 Jahre, nur vier Prozent sind älter als 64 Jahre. Das heißt, das Land wird künftig über ein großes Potenzial an Arbeitskräften und eine junge Bevölkerung verfügen. Und deren Einkommen dürfte im Schnitt auch weiter wachsen. Die Bevölkerungsstruktur ist damit die Basis für das künftige Wachstum und, bei steigenden Einkommen, zugleich für eine steigende inländische Nachfrage.

Das entschlossene Vorgehen des 2010 gewählten Präsidenten Noynoy Aquino gegen die grassierende Korruption bietet nach Ansicht des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland zudem die Chance, dass die Philippinen ihre langjährigen grundlegenden Probleme – mangelnde Good Governance, ein hoher Grad an Korruption und große Armut – Schritt für Schritt überwinden und verstärkt ausländische Direktinvestitionen ins Land fließen könnten. Doch besonders die Armut bleibt vorerst eines der Hauptprobleme. So liegt die Zahl der unter der Armutsgrenze lebenden Filipinos trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs laut Weltbank weiter über 25 Prozent.

Der nachhaltige Aufschwung des Landes aber hat sich bereits am philippinischen Aktienmarkt bemerkbar gemacht.Dank der sich weiter verbessernden Rahmenbedingungen besteht weiteres Potenzial. Dennoch gilt trotz guter Wachstumsvoraussetzungen für Investments am philippinischen Aktienmarkt, dass diese nicht risikolos sind. Eine Anlage in Vermögenswerte der Emerging Markets unterliegt in der Regel höheren rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Risiken als eine Anlage in Vermögenswerte der Märkte in Industrieländern.

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