Malaysia

Entwicklung nach Plan


  • Malaysia weist eine junge und wachsende demografische Struktur auf, die die Entwicklung des Landes fördert.
  • Ambitionierte politische Pläne sollen Malaysia bis 2020 zu einer hochentwickelten Volkswirtschaft machen. Dazu wird massiv in Infrastrukturprojekte und in die Bildung der Bürger investiert.
  • Die bereits starke Exportindustrie profitiert durch angestrebte Privatisierungen, steigender Innovationskraft und der Lage des Landes in Mitten einer wachstumsstarken Region.
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Bis zum Jahr 2020 will Malaysia den Status einer Industrienation erreichen. Ein ambitioniertes, aber nicht unmögliches Vorhaben. Das Land profitiert von einem starken Exportsektor, von soliden Staatsfinanzen, einer jungen demografischen Struktur und gewaltigen Infrastrukturvorhaben. Das könnte auch den Aktienmarkt des Landes beflügeln.


Geht es nach dem 10. Malaysia-Plan der Regierung, dann soll Kuala Lumpur, die Hauptstadt Malaysias, bald zur Riege von Weltstädten wie Tokio, Sydney, Singapur oder Seoul zählen. Denn noch hinke Kuala Lumpur vor allem hinsichtlich der Infrastruktur diesen Metropolen laut einer Untersuchung der Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers aus dem Jahr 2011 hinterher.

Aus diesem Grund plane die Regierung nach Informationen von Germany Trade & Invest (GTAI), der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing, rund acht Milliarden Euro, in ein Mass-Rapid-Transit-System, ein groß angelegtes öffentliches Netz für den Personentransport, zu investieren. Es soll ein Netz der Superlative werden. Laut Medienberichten wird es 156 Kilometer lang sein, einen Radius von 20 Kilometer haben und in der Lage sein, zwei Millionen Passagiere jeden Tag zu transportieren. Die Fertigstellung ist für 2017 geplant. Es ist aber nach GTAI-Angaben nur eines von einer ganzen Reihe von Projekten, von baulichen Maßnahmen, die die Infrastruktur in dem Land verbessern sollen.

Es sind Pläne, nach denen sich die malaysische Wirtschaft, eine gelenkte Marktwirtschaft, entwickelt. Wie in China, so erstellt auch die Regierung in Kuala Lumpur Fünfjahrespläne. Sie bilden die Eckpfeiler der wirtschaftlichen Entwicklung. Im 9. Malaysia-Plan, der den Zeitraum zwischen 2006 und 2010 umfasst, stand zum Beispiel die Entwicklung einer wissensbasierten Gesellschaft im Zentrum. Im aktuellen Plan, dem 10. Malaysia-Plan, der den Zeitraum zwischen 2010 und 2015 betrifft, geht es nun um nicht weniger, als aus dem Land, das 2013 noch zu den Emerging Markets zählt, ein Land mit einem hohen Pro-Kopf-Einkommen zu machen, zu einer hoch entwickelten Volkswirtschaft – also die Lücke zu den Industrienationen zu schließen. Dabei sollen laut GTAI vor allem die Wettbewerbsfähigkeit und die Lebensqualität in dem Land gesteigert werden. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, sind nach Informationen des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland vom Oktober 2012 Investitionen von 444 Milliarden Dollar bis 2020 vorgesehen, zu 60 Prozent privat, zu 32 Prozent von regierungsnahen Unternehmen und zu acht Prozent aus öffentlichen Geldern finanziert. Im Fokus stehen Infrastrukturmaßnahmen sowie die Förderung von zwölf Schlüsselbranchen, darunter die Erdöl- und Gasindustrie, der Bereich der Finanzdienstleistungen, der Bildungssektor, die private Gesundheitsvorsorge sowie die Informations- und Kommunikationstechnik. Zudem sind Investitionen in eine bessere Qualifikation der Bürger des Landes vorgesehen. Ziel ist es so, die Armut weiter zu senken. Laut Auswärtigem Amt lebten im Jahr 2000 noch 6,9 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, 2009 waren es laut CIA World Factbook, Stand: März 2013, 3,8 Prozent. Laut dem 10. Fünfjahresplan sollen es 2015 nur noch zwei Prozent sein. Zudem soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen 2011 und 2020 um jährlich sechs Prozent steigen, was auch den Konsum anregen soll.

Es stellt sich also die Frage, ob Malaysia die notwendigen Voraussetzungen mitbringt, um ein solch hohes Wirtschaftswachstum nachhaltig zu erzielen. Die Rahmenbedingungen dafür sind jedenfalls nicht schlecht. Nach dem Wachstumseinbruch im Krisenjahr 2009 um 1,5 Prozent folgte eine rasante Erholung. Laut dem World Economic Outlook des Internationalen Währungsfonds vom April 2013 erreichte Malaysia 2010 ein Wirtschaftswachstum von 7,2 Prozent, 2011 waren es 5,1 Prozent. Zwar schwächte sich die globale Konjunktur 2012 ab, Malaysias Wirtschaft wuchs aber dennoch um 5,6 Prozent. Basis dieser Wachstumsraten sind unter anderem solide Staatsfinanzen. Malaysias Regierung verfügte laut DB Research Ende 2012 über Devisenreserven von knapp 135 Milliarden Dollar. Die externe Staatsverschuldung betrug 1,9 Prozent des BIP, die Gesamtverschuldung lag bei 53,1 Prozent des BIP. Hilfreich könnte bei den ambitionierten Plänen der malaysischen Regierung zudem sein, dass die Bedingungen, um Geschäfte zu machen, in dem Land als gut gelten. Laut dem Doing Business Report 2013 der Weltbank kommt Malaysia von 183 analysierten Ländern auf Rang 12, zwei Jahre zuvor lag das Land noch auf Platz 21.

Zudem könnte das südostasiatische Land von seiner jungen und wachsenden Bevölkerung profitieren. Laut dem Datenreport 2012 der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung sind 27 Prozent der Malaysier jünger als 15 Jahre, nur fünf Prozent älter als 65 Jahre. Und die Bevölkerung, die mit einer natürlichen Rate von 1,5 Prozent wächst, soll von 29 Millionen Mitte 2012 auf knapp 43 Millionen im Jahr 2050 anwachsen. Entscheidend für die Entwicklung des Landes wird nicht zuletzt aber die Exportindustrie sein. Der Erfolg dieses Wirtschaftsbereichs wiederum hängt davon ab, ob es der Regierung gelingt, die Innovationskraft der heimischen Unternehmen zu steigern. Als Schlüsselfaktoren dafür nennt die Weltbank unter anderem eine verbesserte Ausbildung und einen leichten Zugang zu Kapital für junge Firmen. Aspekte, die die Regierung laut ihrem aktuellen Fünfjahresplan angehen will. So soll laut dem Auswärtigen Amt die Ausbildung von Arbeitnehmern durch die Reform des Ausbildungssystems unterstützt und der Finanzsektor stärker liberalisiert werden. Gelingt dies, dann könnte es Malaysia zugutekommen, dass das Land zum einen in einer wachstumsstarken Region liegt, zum anderen aber auch Mitglied in der Organisation der ASEAN-Staaten ist. Diese haben nicht nur ein Freihandelsabkommen mit China und Indien unterzeichnet, sondern sind auch bestrebt, den Handel untereinander durch die Gründung eines einheitlichen Wirtschaftsraums nach europäischem Vorbild zu stärken. Wie wichtig dies alles und vor allem die Entwicklung in China für Malaysia ist, zeigte sich in und nach der Finanzkrise. Laut dem Auswärtigen Amt ist das Reich der Mitte, dessen Wirtschaft trotz Krise 2009 zulegte, seit dem wichtigster Handelspartner des Landes. Durch seine starke Exportindustrie konnte sich Malaysia so rasch von der Krise erholen.

Kein Wunder, dass sich auch an Malaysias Börse einiges tut. Zwischen Januar 2002 und Dezember 2007 verdoppelte sich der Wert des Aktienindex FTSE Bursa Malaysia KLCI*, der die 30 größten Aktiengesellschaften des Landes umfasst, nach Angaben der Börse Malaysia. Er kletterte auf 1.445 Punkte. Infolge der Finanzkrise 2008 ging dessen Kurs* dann bis November 2008 auf 863 Punkte zurück. Am 7. Januar 2013 erreichte er aber ein neues Allzeithoch bei 1.694 Punkten.


Verstärkte Privatisierung

Gelingt es der Regierung, ihr ambitioniertes Programm, den 10. Malaysia-Plan, umzusetzen, dann könnte die Wirtschaft nachhaltig wachsen, wovon auch die Aktienkurse profitieren würden. Dazu kommen Bestrebungen der Regierung, staatliche Unternehmen verstärkt zu privatisieren. 2012 stieg das Aktienemissionsvolumen nach Angaben des Nachrichtendienstes Bloomberg um 260 Prozent. Drei der vier größten Börsengänge in Asien entfielen auf die Börse Kuala Lumpur, wobei allein diese insgesamt 6,8 Milliarden Dollar erlösten. Dabei sind es zunehmend ausländische Investoren, die dort für Kapitalzuflüsse sorgen und so dazu beitragen, dass solche Aktienplatzierungen erfolgreich sind. Aber auch, dass die Aktienkurse klettern. Den malaysischen Aktienmarkt bildet der MSCI Malaysia TRN Index ab. Kurz zusammengefasst besteht dieser Index (nähere Informationen: http://www.msci.com/resources/fact_sheet/) laut dem Indexanbieter MSCI Ende Februar aus 42 Werten und deckt rund 85 Prozent des Aktienuniversums in Malaysia ab. Größte Branche ist der Finanzsektor mit 30,8 Prozent, größter Einzelwert ist die Malayan Bank mit einem Anteil von knapp 9,4 Prozent. Doch trotz guter Wachstumsvoraussetzungen gilt für Investments am malaysischen Aktienmarkt, dass diese nicht risikolos sind. Eine Anlage in Vermögenswerte der Emerging Markets unterliegt in der Regel höheren rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Risiken als eine Anlage in Vermögenswerte der Märkte in Industrieländern.

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