Indonesien

Erwachender Gigant


  • Mit der weltweit viertgrößten Bevölkerung, einem jungen Durchschnittsalter sowie einem steigendem Pro-Kopf-Einkommen sind gute Voraussetzungen für eine weiterhin positive Entwicklung der Binnenkonjunktur gegeben.
  • Zukünftig vermehrte Investitionen der Regierung insbesondere in den Bereichen Bildung und Gesundheit soll zu einem verbesserten Lebensstandard führen und die Grundlage für nachhaltiges Wachstum schaffen.
  • Durch den geringen Anteil der Exporte am BIP sowie einem starken Binnenmarkt ist Indonesien relativ unabhängig vom Welthandel.
Mehr Informationen

Indonesien hat gute Voraussetzungen, um in die Riege der führenden Schwellenländer aufzusteigen. Das Land zählt laut CIA World Factbook zu den am schnellsten wachsenden Staaten, es verfügt über eine zahlenmäßig starke, junge und wachsende Bevölkerung, ist rohstoffreich und hat eine Regierung, die gewillt ist, für nachhaltiges Wachstum zu sorgen.


Indonesiens Hauptstadt Jakarta boomt. Laut einem Bericht von Germany Trade & Invest (GTAI), der Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing des Bundes, befanden sich viele Indonesier 2012 im Kaufrausch. Die zahlreichen Einkaufzentren sind gut besucht. Um 5,3 Prozent, so GTAI, legte der private Verbrauch 2012 zu. Dazu kommt eine rege Bautätigkeit. Neue Hotels, Wohnhäuser, Bürogebäude entstehen. Und ganze Städte. Wie die Retortenstadt Bumi Serpong Damai City, kurz BSD City genannt. Noch vor wenigen Jahren lebten auf dem Gebiet, wo BSD City errichtet wird, gerade mal 40.000 Menschen, und das Areal bestand vor allem aus Kautschukplantagen. Doch inzwischen schießen dort, auf einer Fläche etwa halb so groß wie Paris und rund eine Stunde südwestlich von Jakarta gelegen, Geschäftsgebäude und Wohnhäuser aus dem Boden, Straßen werden gebaut, öffentliche Plätze und Naherholungsgebiete angelegt. In rund 30.000 Wohnhäusern leben 120.000 Menschen. Bis 2015 sollen es 800.000 sein.


Dynamisches Wachstum

Dieser Bauboom ist Ausdruck der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes in jüngster Zeit. Indonesien entwickelt sich seit einigen Jahren in hohem Tempo. Das Wirtschaftswachstum lag zwischen 2004 und 2012 nach Angaben des World Economic Outlook des Internationalen Währungsfonds (IWF) vom April 2013 bei rund 5,75 Prozent pro Jahr im Schnitt. Besonders bemerkenswert: Im Krisenjahr 2009, als die Weltwirtschaft in die Rezession rutschte, wuchs Indonesiens Ökonomie um 4,6 Prozent. Neben China und Indien war das Land damit eine der wenigen Ausnahmen, das dem Abwärtssog der Weltwirtschaft widerstehen konnte und zur Stütze der globalen Konjunktur wurde. Aber auch 2012, als die Weltwirtschaft unter der Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone litt, wuchs die Wirtschaft des Inselstaates nach Angaben des IWF unbeeindruckt um 6,2 Prozent.

Ein Grund dafür, dass sich Indonesien trotz dieser Krisen in den vergangenen Jahren so stark entwickelte, ist, dass die Wirtschaft des Landes nur in geringem Maße in den Welthandel integriert ist. So liegt der Anteil der Exporte am Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Angaben von GTAI bei nur rund 30 Prozent, sodass sich die Auswirkungen der 2009 stark eingebrochenen globalen Konjunktur auf die Wirtschaft des Landes in Grenzen hielten. Zugleich profitiert der Inselstaat von einem starken Binnenkonsum, der 2012 rund 55 Prozent zum BIP beitrug. Und der trotz globaler Finanz- und Wirtschaftskrise nach GTAI-Angaben 2009 um 4,9 Prozent gewachsen war. Damit sollte Indonesien kaum anfällig für externe Schocks sein und gute Voraussetzungen mitbringen, um nachhaltig und stabil zu wachsen. Ein Grund für die bislang gut laufende Binnenkonjunktur sind Größe und Struktur der Bevölkerung. Gemäß dem Datenreport 2012 der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) beheimatet der Inselstaat 241 Millionen Menschen. Damit liegt Indonesien unter den bevölkerungsreichsten Ländern der Erde auf Platz 4. Die natürliche Wachstumsrate, die Differenz zwischen Geburten- und Sterberate, liegt bei 1,3 Prozent. Bis 2050, so eine Berechnung der DSW, könnte die Bevölkerung auf 309,4 Millionen Menschen anwachsen – ein Zuwachs um rund 28 Prozent. Derzeit sind 27 Prozent der Bevölkerung jünger als 15 Jahre, nur sechs Prozent älter als 65. Das Durchschnittsalter liegt laut dem CIA World Factbook bei weniger als 28,5 Jahren.

Doch reicht eine junge demografische Struktur allein noch nicht, um den Binnenkonsum anzuschieben. Vielmehr profitieren die Indonesier nach GTAI-Angaben auch von steigenden Einkommen. Das starke Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre hat dafür gesorgt, dass das Pro-Kopf-Einkommen rasant zulegte. Laut der Jahresprognose von DB Research für Indonesien, Stand: März 2013, lag es im Jahr 2007 noch bei rund 1.900 Dollar. Für 2013 sei aber ein Durchschnittseinkommen von 3.763 Dollar zu erwarten. Dies entspräche in nur sechs Jahren fast einer Verdoppelung. Geht es nach dem mittelfristigen Entwicklungsplan der Regierung, dann soll das Pro-Kopf-Einkommen bis 2014 sogar auf 4.500 Dollar steigen.

Dass ein solches Wachstum nicht von allein kommt, weiß man aber auch in Jakarta. Nach Informationen von GTAI will die Regierung deshalb in den kommenden Jahren vor allem in die Bereiche Bildung und Gesundheit investieren und so für einen besseren Lebensstandard der indonesischen Bevölkerung sorgen. Entscheidend dabei: Indonesiens Regierung hat die Mittel, um solche Investitionen auch zu stemmen. Denn das Land verfügt über vergleichsweise gesunde Staatsfinanzen. So war der Staat schon im Jahr 2009, als der Welthandel stark einbrach, in der Lage, im Rahmen von Konjunkturprogrammen seine Ausgaben um 15,7 Prozent zu steigern und so die Binnenkonjunktur zu stützen. Ende 2012 betrugen die Devisenreserven nach Angaben von DB Research 106 Milliarden Dollar. Die Auslandsverschuldung des Staates lag bei gerade mal 10,8 Prozent des BIP, die Staatsverschuldung insgesamt betrug 2012 nur 23 Prozent des BIP. Der Staatshaushalt wies zwar ein Minus auf, doch ist das Defizit mit 1,8 Prozent für 2012 auf einem niedrigen Niveau.

Auch beim privaten Verbrauch ist nicht mit einem Einbruch zu rechnen. Nach IWF-Angaben soll die Arbeitslosigkeit von 7,9 Prozent im Jahr 2009 auf 6,2 für 2012 zurückgegangen sein. Zudem soll die Mittelschicht laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group von rund 25 Millionen Menschen 2012 auf 52 Millionen 2015 anwachsen – dies wären 21 Prozent der Bevölkerung. Diese könnten sich dann über den Grundbedarf hinaus Güter und Waren leisten. Und das tun sie bereits. 1999 gaben die Verbraucher nach GTAI-Angaben noch 63 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus. 2011 waren es nur noch 50 Prozent. Entsprechend positiv sind die Prognosen für den Privatkonsum. Laut DB Research soll dieser 2013 um fünf Prozent zulegen.


Reich an Rohstoffen

Dazu kommt ein weiterer Aspekt, der für die Volkswirtschaft des Inselstaates von Bedeutung ist: der Rohstoffreichtum. Indonesien ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes reich an mineralischen Rohstoffen wie Erdgas und Erdöl, Zinn, Nickel, Kohle oder Bauxit. Bei Thermalkohle ist das Land nach Angaben von GTAI der viertgrößte Exporteur der Welt. Hinzu kommen Agrarrohstoffe wie Kautschuk, Kaffee, Tee, Kakao, Tabak, Zucker oder Reis. Damit profitiert Indonesiens Wirtschaft auch von einer besser laufenden Weltkonjunktur. Nach der globalen Wachstumsabschwächung 2012, als die Weltwirtschaft nur 3,2 Prozent wuchs, soll sie 2013 laut IWF immerhin wieder um 3,3 Prozent zulegen.

Die insgesamt positive Entwicklung des Landes scheint sich zum Teil aber schon am Aktienmarkt widerzuspiegeln. Notierte Indonesiens Aktienindex Jakarta Composite*, der sämtliche im regulären Markt der Börse Jakarta gelisteten Firmen enthält, am Jahresende 2002 laut dem Börseninformationsdienst Onvista noch bei weniger als 500 Punkten, so kletterte er bis zum Beginn der Finanzkrise auf fast 3.000 Punkte. Zwar brach er im November 2008 bis auf 1.264 Punkte ein, erholte sich dann aber rasch wieder. Im März 2013 erreicht er nach Angaben der Indonesia Stock Exchange bei 4.904 Punkten ein neues Rekordhoch. Den Aktienmarkt des Landes bildet auch der MSCI Indonesia Index ab.

Kurz dargestellt setzt sich dieser am 28. Februar 2013 laut dem Indexanbieter MSCI (Informationen im Internet unter http://www.msci.com/resources/fact_sheet/) zu fast 35 Prozent aus Finanzwerten und zu insgesamt fast 30 Prozent aus Konsumgütertiteln zusammen. Dazu kommen Unternehmen aus den Branchen Telekommunikation, Versorger sowie Energie und Rohstoffe. Doch trotz guter Voraussetzungen für ein nachhaltiges dynamisches Wachstum gilt für Investments am indonesischen Aktienmarkt, dass diese nicht risikolos sind. Eine Anlage in Vermögenswerte der Emerging Markets unterliegt in der Regel höheren rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Risiken als eine Anlage in Vermögenswerte der Märkte in Industrieländern.

Schließen