Asien

Der Motor der Weltwirtschaft


  • Mit über 60% der Weltbevölkerung und einer jungen demographischen Struktur hat die Region ein hohes wirtschaftliches Potential.
  • Die Volkswirtschaften Asiens haben sich in den Krisenjahren deutlich besser entwickelt als die Weltkonjunktur. Dazu beigetragen hat auch, dass viele asiatische Staaten in der Lage waren massive Konjunkturprogramme aufzulegen.
  • Jedoch herrscht noch nicht die politische Stabilität wie in Industrienationen und es gibt in einigen Ländern keine demokratischen Strukturen. Dies kann zur Unsicherheit wirtschaftlicher Rahmenbedingungen führen.
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Seit Jahren wächst die Region Südostasiens laut Internationalem Währungsfonds schneller als die Weltwirtschaft. Da zugleich die etablierten Ökonomien an konjunktureller Dynamik verlieren, avanciert dieser Wirtschaftsraum immer mehr zum Hoffnungsträger und zur Wachstumslokomotive der weltweiten Konjunktur.


Als die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 zusammenbrach, hatte dies auch gravierende Folgen für die Realwirtschaft. Zwar konnte durch massive Eingriffe der Regierungen und der Notenbanken ein Zusammenbruch des Finanzsystems verhindert werden. Dennoch kam es zur schlimmsten Rezession seit der Weltwirtschaftskrise. In den Vereinigten Staaten, wo die Finanzkrise ihren Ausgang nahm, brach die Wirtschaft nach Angaben des World Economic Outlook des Internationalen Währungsfonds (IWF) vom April 2013 im Jahr 2009 um 3,1 Prozent ein, insgesamt ging sie in den entwickelten Volkswirtschaften um 3,5 Prozent zurück.

Doch nicht die ganze Welt versank in dieser Rezession. Die asiatischen Schwellenländer wuchsen in diesem Krisenjahr nach IWF-Angaben um sieben Prozent. Chinas Volkswirtschaft brachte es dabei – allen globalen Problemen zum Trotz – auf eine Zuwachsrate von 9,2 Prozent. In Indien waren es 5 Prozent, in Vietnam 5,3 Prozent und in Indonesien 4,6 Prozent. Chinas Regierung erzeugte dieses Wachstum zum Beispiel durch ein Konjunkturprogramm, das eigenen Angaben zufolge einen Umfang von umgerechnet 460 Milliarden Dollar hatte. In Indonesien oder Indien wiederum war es vor allem der private Verbrauch, der inmitten der weltweiten Wirtschaftskrise für eine stabile Wirtschaftsentwicklung sorgte.

Aber nicht nur im Jahr 2009 wuchs die asiatische Region rasant, sondern auch vor der Finanzkrise. In den Jahren zwischen 1994 und 2003 lag das Wachstum IWF-Angaben zufolge bei sieben Prozent im Schnitt pro Jahr. Zwischen 2004 und 2008 beschleunigte sich das Wachstum der asiatischen Schwellenmärkte sogar noch. Da lag es bei 9,5 Prozent im Schnitt pro Jahr. Und die Dynamik setzte sich auch nach der Finanzkrise fort. Bis 2012 lag das jährliche Wirtschaftswachstum bei durchschnittlich rund 7,8 Prozent. Mit der Folge, dass die asiatischen Länder ihren Anteil an der globalen Wertschöpfung und am internationalen Handel ausweiten konnten. Im Jahr 2001 trugen diese nach Angaben des IWF rund 22 Prozent zum weltweiten BIP bei. Am globalen Handel hatten sie einen Anteil von 9,3 Prozent. Im Jahr 2011, so der IWF in seinem World Economic Outlook vom Oktober 2012, lag der Anteil an der globalen Wertschöpfung aber bei 25 Prozent. Am grenzüberschreitenden Handel betrug der Anteil über 16 Prozent.

Eine Voraussetzung dafür ist unter anderem die Bevölkerungsgröße. Nach Angaben des Datenreports 2012 der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) leben in Asien über 60 Prozent der Weltbevölkerung. Mit China und Indien befinden sich dort die beiden bevölkerungsreichsten Staaten der Erde. Sie kommen zusammen auf eine Bevölkerung von mehr als 2,6 Milliarden Menschen. Diese beiden Länder, aber auch die anderen Staaten der Region, haben sich zu großen Teilen dem Welthandel geöffnet. Sie alle führen strukturelle Reformen durch, um Kapital aus dem Ausland anzuziehen. Mit ihrer geballten Wirtschaftsmacht und ihrem riesigen Potenzial an Arbeitskräften könnten die Länder Südostasiens zur neuen Lokomotive der Weltwirtschaft avancieren.


Rasch aus der Krise

Wie viel sich dort getan hat, zeigte sich eben besonders deutlich in der Finanzkrise. Dank der enormen staatlichen Stützungsmaßnahmen gelang es der Volksrepublik China als erstes Land das Konjunkturtal nach der Finanz- und Wirtschaftskrise zu verlassen. Aber auch Thailand oder Südkorea gingen so vor. Nach Angaben von GTAI, der Agentur für Außenwirtschaft und Standortmarketing des Bundes, hatten dort die Konjunkturpakete einen Umfang von jeweils über zehn Prozent der Wirtschaftsleistung. Und so konnten sich viele asiatische Schwellenländer nach Angaben des IWF von den Folgen der Finanzkrise rasch erholen.

Als dann die Staatsschuldenkrise in der Eurozone dafür sorgte, dass 2012 der Währungsraum insgesamt in die Rezession rutschte, hielten sich die heranwachsenden Volkswirtschaften Asiens ebenfalls gut. Zwar verlangsamte sich die Dynamik etwas, 2012 sind die Schwellenländer Asiens aber dennoch nach Angaben des IWF um 6,6 Prozent gewachsen.


Vorteil Demografie

Gerade in diesen Krisen also scheinen die Länder im südöstlichen Asien ein wichtiger Motor der Weltwirtschaft zu sein. Und sie könnten diese Position künftig ausbauen. Vor allem dank ihrer sehr jungen und zahlenmäßig starken Bevölkerung. Ausnahmen bilden hier nur Südkorea, wo die Bevölkerungszahl stagniert, und China, wo sich die Ein-Kind-Politik künftig bemerkbar machen dürfte. Doch in der gesamten Region liegt der Anteil der Menschen, die jünger als 15 Jahre sind, ohne China nach DSW-Angaben bei etwa 29 Prozent. Dies wird insbesondere dann zum Vorteil, wenn diese Menschen zudem gut ausgebildet sind. Inzwischen haben viele Regierungen die Bildungspolitik als wichtiges Thema erkannt. Damit dürfte das Ausbildungsniveau steigen, was großes Wachstumspotenzial für die Volkswirtschaften dieser Länder bedeuten würde.

Unterstützt werden könnte diese positive Entwicklung durch das laut IWF in Asien in den vergangenen Jahren gestiegene Pro-Kopf-Einkommen. So soll allein in Südostasien die Mittelschicht nach Angaben einer Studie der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers vom September 2012 zwischen 2010 und 2015 um 55 Prozent auf 145 Millionen Menschen zunehmen.

Die wachsende Mittelschicht, die vorteilhafte demografische Struktur zusammen mit den Bemühungen vieler Regierungen, weg von dem traditionell durch die Exportwirtschaft getragenen Wachstum, hin zu einer binnenwirtschaftlich getriebenen Dynamik zu kommen, mögen Gründe dafür sein, warum diese Region künftig größere Bedeutung für die Weltwirtschaft bekommen könnte. Dabei könnte die Tatsache, dass die Länder dieses Wirtschaftsraums sich in den vergangenen Jahren gegenüber den wirtschaftlichen Problemen anderer Regionen wie Europa relativ resistent zeigten, ein Signal dafür sein, dass sie auf dem richtigen Weg sind.


Politische Risiken

Allerdings gilt es hier zu bedenken, dass die politische Stabilität einiger Länder dieser Region nicht mit der Stabilität der etablierten Industriestaaten vergleichbar ist. So kam es in den vergangenen Jahren in Thailand immer wieder zu politischen Unruhen. Auch gibt es in China und Vietnam keine demokratischen Strukturen. In beiden Staaten regiert eine kommunistische Partei. Und schließlich gibt es mit Nordkorea ein Land, das die Stabilität der gesamten Region gefährden kann. So drohte die Regierung in Pjöngjang im März 2013 nach einer Verschärfung der Sanktionen der Vereinten Nationen gegen Nordkorea gar mit einem atomaren Erstschlag.

Bleibt die politische Situation aber stabil und sind die Regierungen der südostasiatischen Länder bereit, ihre Reformen fortzuführen, dann könnte dies dazu beitragen, dass deren Volkswirtschaften weiterhin mit hoher Dynamik wachsen. Dies wiederum dürfte zu einem weiter steigenden Pro-Kopf-Einkommen führen und, möglicherweise, zu einer stärkeren, solide wachsenden Binnenkonjunktur. Dies hätte einerseits den positiven Effekt, dass der gesamte Wirtschaftsraum seine Abhängigkeit von der Nachfrage der Industrienationen reduzieren und sich wirtschaftlich abkoppeln könnte.

Zum anderen könnten dadurch die Umsätze und Gewinne der Unternehmen aus diesen Staaten steigen. Langfristig könnten damit die Aktienmärkte und, aufgrund der soliden fundamentalen Wirtschaftsdaten, auch die Staatsanleihen aus dieser Region an Bedeutung gewinnen und eine Aufwertung erfahren. Asiatische Aktien, wie auch asiatische Staatsanleihen, könnten für Anleger deshalb eine nicht zu unterschätzende Beimischung im Depot werden.

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