EMEA

Rohstoffreichtum und Konvergenz


  • Trotz großer Unterschiede und verschiedenen Ausgangspositionen zwischen den Ländern der EMEA-Region haben diese doch eine Gemeinsamkeit: Ihr hohes Wachstumspotential.
  • Einige dieser Länder profitieren von ihrer unmittelbaren Nähe zu Industrienationen, andere wiederum von großen Rohstoffreserven.
  • Die Volkswirtschaften reagieren jedoch stark auf Änderungen politischer Umstände. Dies kann sich in hohen Wachstumsraten aber auch in wirtschaftlichen Einbrüchen wiederspiegeln.
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Zur EMEA-Region zählen die Staaten Osteuropas, des Mittleren Ostens und Afrikas. So verschieden deren Ausgangspositionen sind – die einen profitieren von ihren Rohstoffen, die anderen von ihrer Annäherung an Westeuropa –, so haben sie doch eines gemeinsam: Sie haben das Potenzial, künftig schneller zu wachsen als die Industrienationen.


Dass sich der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte WTI nach Angaben der New York Mercantile Exchange zwischen Anfang 2011 und März 2013 bei Notierungen um die 90 US-Dollar verfestigt zu haben scheint, mag für manchen Verbraucher in den westlichen Industrienationen ein Ärgernis sein. Für Russlands Wirtschaft und den dortigen Aktienmarkt aber ist es ein Glücksfall.

Die ehemalige Sowjetrepublik förderte nach Angaben des Worldbook of Historical Data des Ölkonzerns BP aus dem Jahr 2012 im Jahr 2011 insgesamt rund 511 Millionen Barrel Erdöl und war damit nach Saudi-Arabien zweitgrößter Ölproduzent der Welt. Die Reserven des Landes liegen nach BP-Angaben bei rund 88 Milliarden Barrel. Dazu kommen andere reichlich vorhandene Rohstoffe wie Nickel oder Erdgas. Dank dieses Rohstoffreichtums und den, seit der Jahrtausendwende, stark gestiegenen Notierungen für Öl, Gas oder Industriemetalle ist es dem Land gelungen, sich zu sanieren. Selbst im Krisenjahr 2009 betrugen die Staatsschulden laut DB Research gerade mal 7,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). 2012 betragen sie neun Prozent, die Devisenreserven 473 Milliarden Euro.

Allerdings sind die Wirtschaft und der Aktienmarkt des Landes in starkem Maße von den Notierungen der Rohstoffe abhängig. Und hier insbesondere vom Ölpreis. Als dieser nach Angaben der Rohölbörsen London und New York von rund 140 Dollar je Barrel Mitte 2008 bis auf unter 40 Dollar je Barrel Anfang 2009 fiel, brach die Wirtschaftsleistung des Landes dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge 2009 um 7,8 Prozent ein. Der Aktienmarkt verlor nach Angaben der Russian Trading System Stock Exchange mehr als zwei Drittel seines Wertes. Ebenso reagierten Wirtschaft und Aktienmarkt des Landes in der Vergangenheit auf einen Anstieg der Rohstoffpreise. Zwischen März 2009 und Ende 2011 kletterte der Ölpreis laut der New York Mercantile Exchange um das Zweieinhalbfache auf rund 100 Dollar je Barrel. Dies machte sich an Russlands Aktienmarkt positiv bemerkbar. Der Wert des Aktienindex RTX* erholte sich nach Angaben der Börse Moskau gegenüber seinem Tiefstand und notierte Anfang 2011 bei fast 3.500 Punkten. Aber auch die Wirtschaft des Landes kam wieder in Schwung. Nach Angaben des IWF vom April 2013 wuchs Russlands Ökonomie 2010 und 2011 um 4,5 beziehungsweise 4,3 Prozent.

Diese Rohstoffabhängigkeit ist Segen und Fluch zugleich. Derzeit sprechen die hohen Wachstumsraten der anderen Schwellenländer eher für einen weiter wachsenden Bedarf an Öl, Gas und Industriemetallen. Steigt die Nachfrage danach, dann dürften auch die Rohstoffnotierungen wieder anziehen.


Rohstoffreiches Südafrika

Davon könnte auch Südafrika profitieren. Das Land ist wie Russland im MSCI EM EMEA TRN Index (nähere Informationen im Internet unter http://www.msci.com/resources/fact_sheet/), ein, kurz dargestellt, um den Streubesitz adjustierter marktkapitalisierungsgewichteter Index, der die Wertentwicklung der Schwellenländer in Europa, im Mittleren Osten sowie in Afrika widerspiegelt, vertreten. Im Februar 2013 kommt Russland in dem Index auf einen Anteil von rund 36 Prozent. Größtes Indexmitglied ist Südafrika mit 40,4 Prozent. Das Land am Kap der Guten Hoffnung verfügt über reiche Vorkommen an Gold, Platin, Diamanten, Kohle, Chrom, Eisenerz und Palladium. Dank der in der Vergangenheit zum Teil stark gestiegenen Rohstoffpreise – die Notierung für Gold stand nach Angaben der führenden Goldhandelsplätze New York, London, Zürich und Hongkong 2001 bei rund 270 Dollar je Feinunze, im Februar 2013 aber bei 1.573 Dollar – haben sich auch die Fundamentaldaten Südafrikas verbessert. Die Devisenreserven des Landes sind zwischen 2005 und 2012 laut DB Research, Stand: 22. Februar 2013, um den Faktor drei auf 51 Milliarden Dollar gestiegen. Im Krisenjahr 2009 rutschte das Land zwar in die Rezession, der Rückgang der Wirtschaftsleistung lag laut IWF-Zahlen vom April 2013 bei 1,5 Prozent, doch schon 2010 legte die Wirtschaft wieder um 3,1 Prozent zu. 2013 sollen es laut DB Research 2,6 Prozent sein. Ein wichtiger Schritt für das Land war die Fußballweltmeisterschaft 2010, in deren Vorfeld die Regierung massiv in Infrastrukturprojekte investierte. Dazu kommt eine junge Bevölkerung. So beträgt das Durchschnittsalter in dem Land laut CIA World Factbook, Stand: April 2013, 25,3 Jahre. Dies alles könnte sich in den nächsten Jahren positiv auf die Konjunktur Südafrikas auswirken. Im MSCI EM EMEA TRN Index sind vom afrikanischen Kontinent noch Ägypten und Marokko vertreten. Für Ägyptens Wirtschaft ist eine Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung im April 2013 allerdings schwierig. Nach dem Sturz von Präsident Muhammad Husni Mubarak im Februar 2011 geht der Prozess der Demokratisierung nur schleichend voran. Anfang 2013 kam es Medienberichten zufolge auch wieder zu Demonstrationen. Klarer ist die Lage in Marokko. Das Land hat in den vergangenen Jahren Reformen vorangetrieben, sich für den Welthandel und ausländische Investoren geöffnet und laut dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland, Stand: Februar 2013, auch Infrastrukturprojekte angestoßen. Marokkos Wirtschaft soll nach IWF-Angaben im Jahr 2013 um 4,5 Prozent wachsen.


Wachstumsstar Polen

Bei den Staaten Osteuropas, von denen im Februar 2013 Polen, Ungarn, Tschechien und die Türkei im MSCI EMEA Index vertreten sind, geht es dagegen um die wirtschaftliche Konvergenz zur Europäischen Union (EU). Im Mai 2005 traten Polen, Tschechien und Ungarn zusammen mit sieben weiteren osteuropäischen Ländern der EU bei. Und die gesamte Region profitierte davon. Mit niedrigeren Unternehmensteuersätzen und geringeren Lohnkosten zogen sie Direktinvestitionen der Unternehmen aus Westeuropa an. In der Folge beschleunigte sich dort zunächst die Wachstumsdynamik. Doch angesichts der Staatsschuldenkrise in den Mitgliedsstaaten der Euro-Zone haben die drei Staaten nach eigenen Aussagen ihre Pläne für einen Euro-Beitritt vorerst verschoben. Dennoch lohnt ein Blick auf die Entwicklung dieser Länder. Das gilt vor allem für Polen. Seit der Finanzkrise gilt das Land als Wachstumsstar in Europa. Laut IWF wuchs die Wirtschaft des Landes 2009 um 1,6 Prozent. In den beiden Folgejahren beschleunigte sich die Dynamik, trotz schwelender Krise im Euro-Raum, gar auf 3,9 und 4,3 Prozent. Tschechien dagegen zeigte sich gegenüber diesen äußeren Einflüssen weniger resistent. 2012 dürfte die Wirtschaft nach IWF-Schätzungen um ein Prozent geschrumpft sein. Allerdings weist das Land laut DB Research mit einer Staatsverschuldung von nur rund 43 Prozent des BIP 2012 und Devisenreserven von rund 42 Milliarden Dollar recht gute Rahmenbedingungen auf. Anders als Ungarn, wo es nach der Finanzkrise mit der Wahl Viktor Orbáns zum Premierminister einen politischen Rechtsruck gab. Orbán treibt seit dem die Verstaatlichung von Unternehmen voran. Das Wirtschaftswachstum ist laut DB Research, Stand: Februar 2013, mit minus 1,3 Prozent im Jahr 2012 und einer zu erwartenden Stagnation 2013 schwach. Die Staatsschulden betragen inzwischen rund 78 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Allerdings sind Ungarn und Tschechien im MSCI EN EMEA TRN Index nach Angaben des Indexanbieters im Februar 2013 mit weniger als 1,5 Prozent schwach gewichtet. Deutlich bedeutender sind Polen mit rund acht Prozent sowie die Türkei mit über elf Prozent.


Türkei – am Anfang der Entwicklung

Und gerade die Türkei erscheint besonders attraktiv. Das Land hat eine für europäische Verhältnisse sehr junge demografische Struktur. Laut dem Datenreport 2012 der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung sind dort rund 26 Prozent der Menschen jünger als 15 Jahre, nur sieben Prozent älter als 65. Zudem wächst die Bevölkerung. Derzeit leben dort knapp 75 Millionen Menschen, 2050 sollen es rund 93 Millionen sein. Dies bedeutet ein enormes Potenzial an Arbeitskräften und, mit steigenden Pro-Kopf-Einkommen, auch an Konsumenten. Mit erwarteten Wachstumsraten von drei Prozent und 4,8 Prozent im Jahr 2012 und 2013 wächst die Wirtschaft des Landes laut DB Research zudem dynamischer als die Länder Westeuropas.

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