Chile

Bergwerk der Welt


  • Das angestrebte Ziel der chilenischen Regierung ist es, bis 2018 den Status eines hoch entwickelten Landes mit hohem Einkommensniveau zu erreichen.
  • Das Land verfügt über einen enormen Reichtum an Rohstoffen und profitiert durch den Besitzt der weltweit größten Kupferreserven von der weiterhin steigenden Nachfrage nach dem Metall.
  • Solide Staatsfinanzen des Landes auf Grund der hohen Einnahmen durch Kupferexporte, einer hohen Disziplin auf der Ausgabenseite und einer antizyklischen Fiskalpolitik.
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Chile hat laut CIA World Factbook eine hoch entwickelte Volkswirtschaft und stabile politische Rahmenbedingungen. Zudem ist das Land reich an derzeit stark nachgefragten Rohstoffen wie Kupfer und Lithium. Gute Voraussetzungen, um ökonomisch zu den Industriestaaten aufzuschließen.


Mitten in der Atacama-Wüste befindet sich ein riesiges Loch in der Erde. Es handelt sich um die Chuquicamata-Mine, die größte Kupfermine der Welt. Rund 120 Quadratkilometer ist das Abbaugebiet groß, und es breitet sich immer weiter aus. Denn Kupfer ist begehrt wie nie. Das weiche und gut formbare Metall, das sich unter anderem hervorragend als Wärme- und Stromleiter eignet, ist ein entscheidender Wirtschaftsfaktor für Chile. Nach Angaben der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) liegt der Exportanteil des Metalls bei 49 Prozent. Die Kupfererlöse tragen pro Jahr, so das CIA World Factbook, Stand: März 2013, rund ein Drittel zu den Staatseinnahmen und 17,5 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Kupfer füllte so in den Jahren vor der Finanzkrise die Staatskasse. Das sollte ab 2008 enorme Bedeutung für den Andenstaat bekommen. Denn Chiles Wirtschaft musste nicht nur die Finanzkrise und den weltweiten Konjunktureinbruch verdauen, sondern im Februar 2010 auch das schwerste Erdbeben seit 50 Jahren, bei dem mehr als 500 Menschen starben und das Schätzungen zufolge Schäden in Höhe von 30 Milliarden Dollar verursachte.


Rasche Erholung

Doch konnte Chile all das, zumindest aus wirtschaftlicher Sicht, rasch hinter sich lassen. Zwar war das Wirtschaftswachstum des Landes nach Angaben des World Economic Outlook des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Krisenjahr 2009 infolge der weltweiten Rezession um 0,9 Prozent zurückgegangen. Doch rasch folgte die Erholung. Um 5,8 Prozent wuchs die Ökonomie des Andenstaates laut IWF im Jahr 2010 – und übertraf damit das Niveau der Wirtschaftsleistung vor der Finanzkrise. 2011 waren es sogar 5,9 Prozent Wachstum und im Jahr 2012 5,5 Prozent. 2013 soll Chiles Wirtschaft um weitere 4,9 Prozent wachsen, so die Schätzung des IWF. Zahlen, die Stärke und Stabilität des südamerikanischen Landes eindrucksvoll belegen. Ausschlaggebend dafür war die Fähigkeit des Staates, auf die Krise mit einem Konjunkturpaket zu reagieren. Laut Germany Trade & Invest (GTAI), der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing, zählten dazu unter anderem Steuererleichterungen und Konsumanreize sowie Investitionsanreize für Unternehmen. Und Infrastrukturprojekte. Bis 2020 sind allein im Bergbau laut GTAI von staatlicher Seite Investitionen in Höhe von 100 Milliarden Dollar geplant.


Solide Staatsfinanzen

Grundlage all dessen sind solide Staatsfinanzen, die sich das Land in den Vorjahren erarbeitet hat. Eben durch die Einnahmen aus dem Kupferexport, aber auch durch eine antizyklische Fiskalpolitik und eine hohe Disziplin auf der Ausgabenseite, ergänzt durch soziale Maßnahmen. Laut DB Research wies die öffentliche Hand im Jahr 2012 eine Gesamtverschuldung von gerade mal 6,6 Prozent des BIP auf. Die Auslandsverschuldung des privaten und öffentlichen Sektors insgesamt lag bei 39,2 Prozent des BIP. Der Staatshaushalt ist 2013 ausgeglichen, und Chile verfügt über Devisenreserven in Höhe von rund 41 Milliarden Dollar.

Unterstützt wurde der solide haushaltspolitische Kurs der vergangenen Jahre laut Weltbank zudem von der Übernahme eines flexiblen Wechselkurssystems und von einer Notenbank, die ihre geldpolitischen Maßnahmen an einem strikten Inflationsziel ausrichtet und in Extremsituationen wie der Finanzkrise nicht zögert, die Leitzinsen drastisch zu senken. All dies hat dazu beigetragen, dass Chiles Wirtschaft eine beeindruckende Entwicklung hinter sich hat. In den vergangenen 15 Jahren, so stellt die Weltbank fest, war Chile eines der wachstumsstärksten Länder der Region. Auch die Kaufkraft der chilenischen Bevölkerung hat sich seit dem Millenniumswechsel deutlich verbessert. Studien des Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge lag das Land 2011 mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 17.222 Dollar im regionalen Vergleich in etwa auf dem Niveau Argentiniens.

Die Zuwachsraten betrugen in den vergangenen Jahren durchschnittlich 5,3 Prozent, und nach Prognosen von IWF-Experten wird sich daran bis 2017 nichts ändern. Ende 2009 wurde Chile dann gar als erstes Land Südamerikas Mitglied in der Industrieländer-Gemeinschaft OECD. Diese positive Entwicklung soll sich nach dem Willen der chilenischen Regierung in den kommenden Jahren fortsetzen. Es ist das erklärte Ziel, bis 2018 den Status eines hoch entwickelten Landes mit hohem Einkommensniveau zu erreichen.


Rückläufige Armut

Gelingt dies, dann könnte damit auch die Ungleichheit im Land bekämpft werden. In den vergangenen Jahren hat die Regierung hier aber schon Erfolge gefeiert. Nach Angaben von GTAI lebten 2011 noch 14,4 Prozent aller Chilenen unterhalb der offiziellen Armutsgrenze. Beim Millenniumswechsel waren es rund 20 Prozent und 1990 sogar noch 38,6 Prozent gewesen. Dennoch verfügen die reichsten zehn Prozent der Chilenen über 29 Mal mehr Einkommen als die ärmsten zehn Prozent. Die Voraussetzungen, um das Ziel der Regierung und möglicherweise auch einen Abbau der Ungleichheit zu erreichen, sind aber gut. Schließlich verfügt das Land mit Kupfer über einen Rohstoff, der für den Aufbau von Infrastruktur oder für die Fahrzeugindustrie unerlässlich ist. Gerade das sind Bereiche, in denen viele Schwellenländer derzeit rasant wachsen. Zum Beispiel China. Laut dem chinesischen Automobilverband CAAM stieg der Fahrzeugabsatz Anfang 2013 gegenüber dem Vorjahr um 51 Prozent, Tendenz weiter steigend. Aktuellen Daten der International Copper Study Group zufolge enthalten moderne Pkw rund 25 Kilogramm Kupfer. Kein Wunder, dass allein Chinas Nachfrage nach dem Metall rasant steigt. Der gestiegene Bedarf spiegelt sich in der Preisentwicklung für das Metall wider. Zwischen Anfang 2003 und Ende März 2013 kletterte die Kupfernotierung nach Angaben der London Metal Exchange, Stand: März 2013, um rund das Vierfache auf bei 7.808 Dollar je Tonne. Ein hoher Kupferpreis, davon profitieren die Förderländer. Eben Chile. Allerdings schwankte der Preis dazwischen stark. So stieg er im Februar 2011 auf den Rekordstand von 10.200 Dollar je Tonne. Dies stellt ein Risiko für die Volkswirtschaft des Landes dar.

Laut dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland verfügt der Andenstaat über die weltweit größten Kupferreserven – etwa 36 Prozent – und ist zugleich der größte Kupferproduzent der Welt.

Aber der Andenstaat verfügt noch über andere wichtige Rohstoffe, etwa über den an Bedeutung gewinnenden Rohstoff Lithium, der unter anderem für die Herstellung elektronischer Batterien verwendet wird. Hier hat Chile nach Angaben des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland einen Anteil von 41 Prozent an der Weltproduktion. Darüber hinaus hat das Land noch bei weiteren mineralischen Rohstoffe eine führende Stellung. Zum Beispiel bei Jod, wo es 53 Prozent sind, bei Rhenium mit 44 Prozent und bei Molybdän mit 15 Prozent. In der Atacamawüste lagern ferner Salzvorkommen, die für mehrere Jahrtausende reichen. Das dort abgebaute Salz ist – wie das Kupfer – ein weiteres wichtiges Exportprodukt Chiles.


Hoher Bildungsstandard

Zudem dürfte die Volkswirtschaft des Landes von seiner relativ jungen und gut ausgebildeten Bevölkerung profitieren. Laut dem Datenreport 2012 der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung sind 23 Prozent der Chilenen unter 15 Jahre. Die Alphabetisierungsrate liegt nach Weltbank-Angaben bei 99 Prozent. Beste Voraussetzungen für künftiges Wachstum. Das gilt umso mehr, da die Regierung, um aus Chile ein Hocheinkommensland zu machen, erklärt hat, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes steigern, den Staat modernisieren, Arbeitsplätze schaffen und für ein verbessertes Investitionsumfeld sorgen zu wollen. Letzteres wäre auch für Anleger interessant. Denn gelingt dies, dann könnten mehr Direktinvestitionen ins Land fließen. Und das könnte sich auch an Chiles Aktienmarkt in den kommenden Jahren positiv bemerkbar machen.

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